MAN Truck & Bus

Die Busse kommen
bei den Fahrgästen sehr gut an

Interview mit Cyrille Horper 
Kommunikations- und Marketingbeauftragter des Luxemburger Transportunternehmens
Voyages Emile Weber

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Seit 2008 beschäftigt sich das Luxemburger Transportunternehmen Voyages Emile Weber mit Elektromobilität. Im Interview berichtet Cyrille Horper, Kommunations- und Marketingbeauftragter des Unternehmens, über die bisher gesammelten Erfahrungen und die weiteren Pläne. 

Sie haben bereits acht MAN Lion’s City E im Einsatz. Wie ist Ihr bisheriges Fazit?

Cyrille Horper Tatsächlich besitzen wir zurzeit acht Fahrzeuge, es sollen aber bald noch mehr werden. Bei den ersten vier Bussen handelte es sich um Vorserienfahrzeuge, die im Zuge einer Kooperation zwischen MAN, dem luxemburgischen Importeur Losch und Voyages Emile Weber geliefert wurden. Wie bei jedem neuen Fahrzeug gab es auch hier am Anfang noch Kinderkrankheiten, die aber relativ schnell behoben werden konnten. Diese Fahrzeuge wurden im laufenden Betrieb weiterentwickelt und immer wieder aufgerüstet. Die letzten vier Busse sind technisch auf einem guten Stand und laufen stabil. Aus diesem Grund haben wir noch mal neun elektrische Gelenkbusse nachbestellt, die im Oktober geliefert werden. 

Was sagen die Fahrgäste zu den Bussen?

Cyrille Horper Obwohl die Fahrer in den letzten Jahren coronabedingt nicht sehr viel Kontakt mit den Kunden hatten – der vordere Teil der Fahrzeuge war für Kunden gesperrt –, freuen wir uns trotzdem, dass die Busse bei den Fahrgästen sehr gut ankommen: Der geräuscharme, ruckfreie Antrieb sorgt für einen hohen Komfort. Außerdem sticht der MAN Lion’s City E durch sein originelles und modernes Design im Stadtverkehr hervor. 

 

 

DER MAN LIONS’s CITY E STICHT DURCH SEIN ORIGINELLES UND MODERNES DESIGN IM STADTVERKEHR HERVOR.

Cyrille Horper 
Kommunikations- und Marketingbeauftragter 
Voyages Emile Weber

 

Wie kommen die Fahrer mit den Bussen zurecht? Gab es eine spezielle Schulung für den Elektrobus?

Cyrille Horper Durch die Einführung von E-Bussen mussten wir unser internes Weiterbildungsangebot erweitern und haben speziell für die Elektrofahrzeuge angepasste Lernmodule aufgebaut. Diese Module sind jetzt fester Bestandteil unserer „WeberAcademy“, von der alle unsere Fahrer profitieren. Des Weiteren haben wir auch unser Werkstattpersonal geschult, damit es effizient, aber vor allem sicher an den Fahrzeugen arbeiten kann. 

Wie sieht es bei der Infrastruktur aus? Wie und wann und wo wird geladen?

Cyrille Horper Wir haben die Möglichkeit, die Busse an fünf verschiedenen, eigenen Standorten quer durch Luxemburg nachzuladen. An unserem Hauptstandort in Canach haben wir 28 Ladepunkte, an denen wir zum Teil sequenziell laden können – jeweils drei Busse mit einem Ladegerät. Um den Anforderungen der E-Mobilität gerecht zu werden, haben wir sogar ein Lademanagement-Konzept geschaffen, das wir „Park & Charge“ nennen. 

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Begeistert Uwe Kohnen von Voyages Emile Weber spricht im Video-Interview über die Vorzüge von Elektrobussen

Was verbirgt sich dahinter?

Cyrille Horper Dabei handelt es sich um eine Kombination einer „Smart Grid“- und einer „Smart Charging“-Lösung: Beim „Smart-Grid“ versuchen wir, die maximal verfügbare Netzanschlussleistung unseres Betriebshofs in Canach zu steigern. Dafür hat die Firma Nexxtlab, ein Tochterunternehmen des luxemburgischen Netzbetriebers Creos, mit uns die Software „FeederFLEX“ entwickelt. Diese analysiert den Strombedarf der benachbarten Dörfer und Industriegebiete und gewährt unserem Betriebshof viertelstündlich zwischen 0 und 1 Megavoltampere zusätzliche Leistung – aus einer statischen Maximalleistung wird also eine dynamische Maximalleistung (bis zu 3 Megavoltampere statt bislang 2 Megavoltampere), und das ohne ein einziges zusätzliches Stromkabel zu verlegen! 

Und was bedeutet „Smart Charging“?

Cyrille Horper Das „Smart Grid“ würde keinen Sinn machen, wenn wir diesen Energiegewinn nicht clever verteilen würden. Deswegen sind wir jetzt dabei, die nächste Etappe, also die „Smart Charging“-Komponente, aufzubauen: Die Busse werden in Zukunft nicht einfach „blind“ auf 100 Prozent, sondern aufgrund ihres Turnus geladen. Weiß das Lademanagement-System also, dass der MAN Lion’s City E, der jetzt in Halle 3 auf Position 7 steht, am nächsten Morgen einen Turnus fahren wird, bei dem er nur 80 Prozent Batteriekapazität benötigt, wird das System den Ladevorgang bei 80 Prozent stoppen und die Energieleistung für einen anderen Bus „aufbewahren“. 

Wann haben Sie mit dem Einstieg in die E-Mobilität begonnen? Und wie geht es weiter?

Cyrille Horper Mit der Einführung der E-Mobilität haben wir bereits vor Jahren begonnen – 2008, um genau zu sein. Damals noch mit der Lieferung der ersten Hybridbusse, 2015 bekamen wir sogar Doppelgelenk-Plug-in-Hybrid-Busse, was zur damaligen Zeit eine Weltneuheit war. Für die Elektrifizierung der Mobilität haben wir eigens das Programm „empoweringMobility“ geschaffen, und heute besitzen wir 71 vollelektrische Busse (von insgesamt circa 550 Linienbussen), weitere 64 E-Busse sind in Bestellung. Die Elektromobilität ist im Großherzogtum fester Bestandteil der Regierungspolitik, die eine komplette Dekarbonisierung des ÖPNV für 2030 vorsieht. Damit sind wir Luxemburger nach den Niederlanden das Land, das in Europa proportional über die meisten E-Busse verfügt! 

Text   Christian Buck
Fotos   Lara Freiburger

#Elektromobilität#Tag 5#ElectrifyingEuropeTour#Bus#LionsCityE
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