MAN Truck & Bus

Collage mit Bildern eines MAN Truck, eines Tablets und dem Hamburger Hafen auf dunkelblauem Hintergrund.Collage mit Bildern eines MAN Truck, eines Tablets und dem Hamburger Hafen auf dunkelblauem Hintergrund.

MAN setzt voll auf autonome Trucks

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MAN treibt den Güterverkehr mit selbstfahrenden Lkw weiter voran. Die Roadmap sieht vor, bis Ende des Jahrzehnts autonome Zero-Emission-Trucks in die Serienproduktion zu bringen. Bis 2030 wird MAN automatisierte Hub-to-Hub-Verkehre und zugehörige digitale Services in Kooperation mit Logistikern in verschieden Pilotprojekten testen und zur Marktreife bringen.

Collage mit Bildern eines MAN Trucks und Containern auf dem Container Terminal des Hamburger Hafen auf einem Farbverlauf-Hintergrund.

Nach dem im Juni 2021 erfolgreich abgeschlossenen Praxistest Hamburg TruckPilot mit der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) rückt das autonome Fahren bei MAN noch stärker in den Fokus. „Pilotprojekte wie Hamburg TruckPilot beweisen, dass der Einsatz von selbstfahrenden Lkw technologisch umsetzbar ist und sich effizient in Logistikabläufe integrieren lässt. In enger Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern erproben wir praxistaugliche Automatisierungslösungen mit dem Ziel, ab 2030 selbstfahrende Lkw zur Serienreife bringen“, kündigt MAN-Entwicklungsvorstand Dr. Frederik Zohm an. Die Zukunftsperspektive für MAN ist klar: „Das autonome Fahren wird ein Gamechanger im Transportwesen sein“, sagt Zohm.

Deutschland als Innovationstreiber

In Deutschland hat MAN optimale Voraussetzungen für die Erprobung von fahrerlosen Lastwagen unter realen Einsatzbedingungen. Als erstes Land überhaupt hat die Bundesrepublik im Juli 2021 ein Gesetz zum autonomen Fahren in Kraft gesetzt. Dieses regelt und erlaubt grundsätzlich die Nutzung von autonomen Fahrzeugen (Level 4) in festgelegten Betriebsbereichen, etwa im Verkehr zwischen Logistikterminals. Eine technische Aufsicht muss zudem die Fahrten überwachen.

Für den Güterverkehr bringen autonome Lastwagen eine ganze Reihe von Vorteilen. Sie haben das Potenzial, Transporte effizienter, kostengünstiger, zuverlässiger, nachhaltiger und vor allem sicherer zu machen. Für die Logistik 4.0 und Industrie 4.0 stellen selbstfahrende Trucks ein wichtiges Element dar. Sie sind zudem ein Lösungsansatz für den Fahrermangel, der vielen Transportunternehmen immer stärker zu schaffen macht. Automatisierungstechnologien tragen zudem zur Entlastung von Lkw-Fahrerinnen und Fahrer in ihrem anstrengenden Arbeitsalltag bei.

Roadmap von MAN bis 2030

Um die Automatisierung voranzutreiben, plant MAN, sukzessiv weitere Kooperationsprojekte zur Entwicklung von autonomen Hub-to-Hub-Verkehren auf den Weg zu bringen. Ab Mitte des Jahrzehnts sind erste Anwendungstests von selbstfahrenden MAN-Lkw, integriert in Betriebsabläufe von Kundenunternehmen, denkbar. Ziel ist es, von 2030 an autonom fahrende Lkw als Serienlösungen realisieren zu können. Kombiniert mit emissionsfreien Antrieben haben diese nicht nur das Potenzial, Sicherheit und Effizienz von Logistik zu steigern. Sie können außerdem einen wichtigen Beitrag zum CO2-minimierten Güterverkehr leisten.

Erfolg im Hafenterminal

Dass autonome Transporte keine Zukunftsmusik mehr sind, beweist MAN bereits seit 2016 in Pilotprojekten mit unterschiedlichen Partnern. Im Juni 2021 haben MAN und die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) das Forschungs- und Erprobungsprojekt „Hamburg TruckPilot“ erfolgreich abgeschlossen. Ziele des dreijährigen Projektes waren die Entwicklung und der Praxistest eines automatisierten Lkw im Containerumschlag auf dem Container Terminal Altenwerder (CTA).

Die Zielsetzung des dreijährigen Projektes, das zugleich Teil der strategischen Mobilitätspartnerschaft zwischen der Stadt Hamburg und der Volkswagen AG war, beinhaltete Entwicklung und Praxistest eines autonomen Lkw im Containerumschlag auf dem HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA). Bei den Praxisfahrten beförderte der Logistikpartner, die Spedition Jakob Weets e.K. aus Emden, zunächst von einem Fahrer gesteuert 40-Fuss-Container im Auftrag der Volkswagen Konzernlogistik zum CTA-Terminal im Hamburger Hafen. Dort fuhr der Lkw autonom über das Terminalgelände und bewegte sich reibungslos im gemischten Verkehr mit anderen Verkehrsteilnehmern. Er fuhr sein Ziel in der Blocklagerspur an und rangierte ebenfalls selbstständig rückwärts hochgenau in die Parkposition. Nach dem Containerumschlag erfolgte die Rückfahrt zum Check-Gate ebenso autonom und jenseits des Terminalgeländes übernahm wieder der Fahrer der Spedition Jakob Weets e.K. das volle Kommando.

Till Schlumberger, als Projektleiter bei der HHLA und verantwortlich für Hamburg TruckPilot, macht deutlich, welche technologische Pionierleistung mit dem erfolgreichen Testlauf gelungen ist: „Der HHLA Container Terminal Altenwerder ist durch seine hoch automatisierten Prozesse das ideale Testumfeld, um zukunftsträchtige Technologien zu erproben. Unsere Anlagen arbeiten 24/7 rund um die Uhr, an 360 Tagen im Jahr. Die sichere Integration von autonomen Lkw in die Terminalprozesse ist allerdings eine große Herausforderung, denn dabei durchmischen sich autonome und klassische Verkehre. Mit Hamburg TruckPilot konnten wir zeigen, dass diese Anwendung in der Praxis möglich und erfolgsversprechend ist.“

Zur Vorbereitung von künftigen Testläufen im automatisierten Hub-to-Hub-Verkehr sammelten die Projektbeteiligten auf den Zubringerfahrten auf der A7 zwischen dem Weets Container Terminal Soltau und dem 70 Kilometer entfernten Hafengelände während der Praxistestfahrten bereits zahlreiche Daten für kommende Projekte mit automatisierten Trucks. Diese Praxisfahrten werden durch die Einführung des Gesetzes zum autonomen Fahren in Deutschland nun auch außerhalb abgeschlossener Areale möglich. Sebastian Völl, Projektleiter Automatisiertes Fahren bei MAN Truck & Bus, ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Praxistests im Hamburger Hafen, bei dem sich der autonome Lkw mithilfe von Kameras und Sensoren sicher durch das Containerterminal bewegte: „Hamburg TruckPilot war für uns der Start ins autonome Fahren. Als unser Prototyp zum ersten Mal selbstständig in eine Blocklagerspur rangiert ist, da haben wir gesehen: Es funktioniert, wir können die hohen Genauigkeitsanforderungen halten. Und auch das Fahren über das Terminalgelände mit vielen anderen manuell gesteuerten Lkw haben Sensorik, Umfelderkennung und Automatisierungssysteme im Zusammenspiel perfekt gemeistert. Als bei den Praxisfahrten der erste Container mit realer Ladung vom Chassis abgehoben hat, war ich super stolz auf das gesamte Team! Auf diesen Erfahrungen können wir bei künftigen Projekten aufbauen.“

Projekt im kombinierten Verkehr

In Ulm Dornstadt arbeiten Deutsche Bahn, MAN Truck & Bus, die Hochschule Fresenius und die Götting KG im Projekt ANITA zurzeit ebenfalls an automatisierten und digitalen Lösungen für Hub-to-Hub-Verkehre. Auf dem Container-Depot von DB Intermodal Services und dem DUSS-Terminal (Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene-Straße mbH) sollen sich vollautomatisierte Lkw künftig selbstständig bewegen. Der Kombinierte Verkehr kann so effizienter und flexibler organisiert werden. Das schafft Anreize für noch mehr klimafreundlichen Verkehr auf der Schiene.

Collage mit einer Schwarzweiß-Nahaufnahme einer 360-Grad-Kamera an einem Truck und weißen grafischen Elementen auf Farbverlauf-Hintergrund.

Im Rahmen der ersten Etappe von ANITA (Autonome Innovation im Terminalablauf) schließt das Institut für komplexe Systemforschung der Hochschule Fresenius umfangreiche Analysen ab, um eine digitale Plattform für den autonomen Hub-to-Hub-Verkehr am DUSS und DB IS Ulm anzufertigen. Die Plattform ermöglicht es dem fahrerlosen Lkw und der Terminalumgebung, sich miteinander zu „verständigen“. Durch wegweisende wissenschaftliche Grundlagenforschung soll die digitale Systemsteuerung so aufgesetzt werden, dass sie auch als Modell für andere Standorte genutzt werden kann, an denen autonome Lkw für Transporte genutzt werden –  etwa in Containerterminals, an Häfen oder auf Industrieanlagen. So schafft ANITA die technologischen Voraussetzungen, um fahrerlose Trucks reibungslos in die logistischen Abläufe der Industrie 4.0 und Logistik 4.0 zu integrieren.

Potenzial von Platooning getestet

Bereits im Mai 2019 haben die Projektpartner DB Schenker, MAN Truck & Bus und die Hochschule Fresenius die Ergebnisse ihres erfolgreichen Platooning-Feldversuchs „EDDI“ vorgestellt. Im Rahmen des Forschungsprojekts waren Berufskraftfahrer sieben Monate lang in zwei digital gekoppelten Fahrzeugen auf der Bundesautobahn 9 zwischen Niederlassungen des Logistikunternehmens DB Schenker in Nürnberg und München unterwegs. Nach rund 35.000 Testkilometern war erwiesen: Fahrten mit digital vernetzten Lkw auf deutschen Autobahnen sind sicher, funktionieren technisch zuverlässig und lassen sich gut im Alltag eines Logistik-Unternehmens einsetzen. Im Praxis-Test wurden außerdem Einsparungen beim Treibstoffverbrauch nachgewiesen. Es handelte sich um den weltweit ersten Anwendungstest von Lkw-Platoons im realen Logistikbetrieb.

Text   Felix Enzian
Fotos   Lara Dorow Cristobal

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