MAN Truck & Bus

Zwei Lkws von MAN Truck & Bus fahren auf der Autobahn

Meilensteine des Fortschritts

21.08.2020

Konkreter Bedarf, konkreter Einsatz, konkreter Kundennutzen: MAN Truck & Bus treibt die Automatisierung im Transportwesen Schritt für Schritt durch Erprobungen im Realbetrieb voran. Eine Übersicht über abgeschlossene und laufende Projekte.

Automatisch fahrendes Absicherungsfahrzeug aFAS von MAN Truck & Bus

Gewinn an Sicherheit: Das automatisch fahrende Absicherungsfahrzeug sichert mobile Baustellen auf dem Seitenstreifen von Autobahnen.

1. aFAS (2014 bis Juni 2018): Automatisch abgesichert

Gemeinsam mit sieben Partnern aus Industrie, Forschung und Verwaltung hat MAN im Forschungsprojekt aFAS („automatisch fahrerlos fahrendes Absicherungsfahrzeug für Arbeitsstellen auf Bundesautobahnen“) den Prototypen eines Absicherungsfahrzeugs entwickelt und erprobt: Ein MAN TGM 18.340 mit Kameras, Radaren, diversen Assistenzsystemen, zum Teil speziell entwickelter Umgebungssensorik und integrierter Objekt- und Fahrstreifenerkennung folgte dabei fahrerlos und vollautomatisiert in einem definierten Abstand den mobilen Baustellen auf dem Seitenstreifen von Autobahnen in Hessen. Ein echter Sicherheitsgewinn für Baustellenpersonal und -fahrzeuge – immerhin passieren rund 44 Prozent aller Unfälle auf deutschen Autobahnen mit Lkw-Beteiligung auf der rechten Spur oder auf dem Standstreifen. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Forschungsprojekt analysierte erstmals vollumfänglich die technische Machbarkeit, den Realbetrieb von automatisierten Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen sowie nötige Modifikationen an der gesetzlichen Grundlage. Für MAN bedeutete aFAS zudem wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Serienentwicklungen sowie weitere Test- und Forschungsprojekte zum automatisierten und autonomen Fahren – etwa zum Platooning.

2. EDDI (August bis Dezember 2018): Digital vernetzte Lkw-Kolonne

Das Projekt EDDI („Elektronische Deichsel – Digitale Innovation“) bot eine Weltpremiere: Fünf Monate lang fuhren Berufskraftfahrer erst Dummygewichte, dann reale Güter auf zwei MAN TGX-Gliederzügen mit maximal 80 Stundenkilometern zwischen DB-Schenker-Terminals in München und Nürnberg auf einer rund 145 Kilometer langen, digitalen Teststrecke auf der A9. Das hintere Fahrzeug folgte dabei dank spezieller WLAN-Verbindung für die Car-to-Car-Kommunikation und mehrfach redundanter Sensorik sowie diverser Assistenzsysteme dem Beschleunigen, Bremsen und Lenken des Führungsfahrzeugs – synchron, ohne aktives Eingreifen des Fahrers und mit rund 15 Meter Abstand. In bestimmten Situationen, etwa an Autobahnkreuzen, wurde die Kolonne (englisch: platoon) aufgelöst.

Gemeinsam mit DB Schenker und der Hochschule Fresenius, die psychosoziale und neurophysiologische Auswirkungen auf die Fahrer untersuchte, brachte MAN mit dem vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderten Projekt die Entwicklung des Platoonings entscheidend voran. Insgesamt wurden in dem Praxistest 35.000 Kilometer absolviert, pro Fahrt erfolgten jeweils etwa 73 Kilometer im gekoppelten Platoon. Zu 98 Prozent arbeitete das Platoon-System reibungslos, lediglich eine Übersteuerung durch den Fahrer war auf 2.000 Kilometern im Schnitt nötig, zudem wurden im Pilotbetrieb rund drei bis vier Prozent weniger Kraftstoff verbraucht.

Das Fazit: Fahrten mit digital vernetzten Lkw auf deutschen Autobahnen sind sicher, funktionieren technisch zuverlässig, lassen sich gut im Alltag eines Logistikunternehmens einsetzen und können den Kraftstoffverbrauch und den CO2-Ausstoß verringern. Lkw-Platoons tragen daher zu einer effizienteren Nutzung des Platzes auf Autobahnen bei, sorgen für weniger Staus und eine höhere Verkehrssicherheit. Die Fahrertätigkeit verlagert sich dabei vom Fahren hin zum Überwachen. Laut DB Schenker eignen sich knapp 40 Prozent aller Fahrten im Stückgutnetzwerk für Lkw-Platoons – viel Potenzial, das sich durch Weiterentwicklungen und neue digitale Geschäftsmodelle weiter erhöhen kann.

Platooning-Lkw von MAN Truck & Bus

Zu 98 Prozent reibungslos: Das erfolgreiche Projekt EDDI war der weltweit erste Praxistest von Platooning im realen Autobahnverkehr.

Automatisierter MAN-Lkw im Containerterminal Altenwerder

Vollautomatisierte Be- und Entladung: Die praktische Erprobung von Hamburg TruckPilot startet voraussichtlich im Frühjahr 2021.

3. Hamburg TruckPilot (2018 bis 2021): Leinen los am Containerterminal

Am HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA) in Hamburg testen MAN und die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) im Projekt Hamburg TruckPilot automatisiert und autonom fahrende Lkw im Realeinsatz, die sich vom Check-in-Gate bis zur Blocklagerspur bewegen. Später soll auch ein rund 70 Kilometer langer Abschnitt der A7 zum Testumfeld zählen. Ziel ist es, die Integration autonom fahrender Lkw in den vollautomatischen Container-Handlingprozess zu analysieren und zukunftsweisende Standards in Methodik und Durchführung zu definieren.

Nach der Vorbereitungs- und Testphase mit der Entwicklung des Systems auf dem Prüfgelände von MAN in München starten voraussichtlich im Frühjahr 2021 zwei Prototypen-Trucks in die Erprobung. Sie sollen vollautomatisiert die Ent- und Beladung am CTA abwickeln, dafür sind sie mit elektronischen Systemen ausgestattet. Geschulte Sicherheitsfahrer des Projektpartners Spedition Jakob Weets werden die Trucks begleiten.

Hamburg TruckPilot verfolgt mehrere Ziele: mehr Effizienz, eine höhere Sicherheit am Terminal und eine Entlastung der Fahrer. Das Projekt macht die hohe Komplexität von Autonomisierungsabläufen deutlich, denn am Terminal gilt es, diverse Fahrzeuge ohne Sensortechnologie zu berücksichtigen. Dennoch wird das Automatisierungslevel 4 damit immer konkreter ins Visier genommen.

4. ANITA (seit Juli 2020): Von Hub zu Hub

Das Projekt ANITA („Autonome Innovation im Terminalablauf“) zielt auf einen effizienteren Containerumschlag. Dafür erprobt MAN mit der Deutschen Bahn, der Hochschule Fresenius und der Götting AG unter realen Bedingungen den Einsatz eines vollautomatisierten Lkw am DUSS-Terminal in Dornstadt bei Ulm: Mit geschultem Sicherheitsfahrer an Bord soll sich der vollautomatisierte Lkw von MAN auf dem Containerdepot von DB Intermodal Services und auf dem Terminal in Dornstadt bewegen. Ein erfahrener Kranführer verantwortet den Containerumschlag. ANITA setzt neue Maßstäbe bei der Digitalisierung im kombinierten Verkehr. Aktuell wird die digitale Infrastruktur vor Ort eingerichtet.

DUSS-Terminal in Dornstadt

Effizienterer Containerumschlag: Am Standort Dornstadt erproben MAN Truck & Bus, Deutsche Bahn, Hochschule Fresenius und Götting KG automatisierte Transporte.