MAN Truck & Bus

Portrait Sebastian Völl

Unser Software-Ansatz funktioniert

Im laufenden Betrieb ein Automatisierungssystem zu testen, ist nicht leicht. Sebastian Völl, Projektleiter Automatisiertes Fahren bei MAN Truck & Bus, erzählt, wie es dem Team vom Projekt „Hamburg Truck Pilot“ dennoch erfolgreich gelungen ist.

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Sebastian Völl

ist studierter Maschinenbauer und arbeitet seit 2012 bei MAN Truck & Bus. Seit ein paar Jahren leitet er Automatisierungsprojekte bei dem Nutzfahrzeughersteller.

Herr Völl, wie haben Sie die Anfänge von „Hamburg TruckPilot“ vor drei Jahren in Erinnerung? Was waren für MAN die Hürden im Vorfeld?

Völl „Hamburg TruckPilot“ war für uns der Start ins automatisierte Fahren. Sowohl MAN Truck & Bus als auch der Volkswagen Konzern waren sich der Bedeutung dieser zukunftsweisenden Technologie schon früh bewusst. Daher hat dieses Projekt offene Türen eingerannt. Die Herausforderung bestand darin, sehr schnell zur technologischen Spitze aufzuschließen. Dieser einzigartige Wettlauf gelang uns zusammen mit der Volkswagen Group Innovation. Wir konnten die modernste Technologie zum automatisierten Fahren übernehmen und an den Lkw anpassen. Dafür haben wir führende Spezialisten zusammengebracht und ein hochkarätiges Expertenteam aufgebaut, das „Hamburg TruckPilot“ erfolgreich ins Ziel gebracht hat. Dieses Team wird auch zukünftig die zentrale Stütze für die Entwicklung des Automatisierten Fahrens sein. Eine weitere Herausforderung bestand darin, dass wir von Anfang an nicht unter künstlichen Testbedingungen, sondern im laufenden Betrieb auf dem Container Terminal Altenwerder (CTA) gearbeitet haben. Daher mussten wir die Parameter jeweils vor Ort anpassen und unser Automatisierungssystem im Live-Betrieb entwickeln.

Verlief das Projekt aus Ihrer Sicht wie geplant und gewünscht?

Völl Grundsätzlich lief das Projekt wie erhofft, erwartet und geplant: Wir konnten den Piloten im CTA darstellen. Die Corona-Pandemie hat den Zeitplan etwas verzögert und die Testbedingungen aufgrund von Coronaauflagen noch herausfordernder gemacht, dennoch haben wir unser Ziel erreicht.

Wie haben die Leute vor Ort auf Ihre Arbeit reagiert?

Völl Wir fielen auf. Zum einen bei den anderen Lkw-Fahrern, weil wir mit der Automatikspur am Blocklager, die eigentlich für den Containertransport zwischen Terminal-Bahnhof und Lager reserviert ist, die vermeintlich falsche Spur verwendet haben. Und auch andere Verkehrsteilnehmer beobachteten uns neugierig. Einige reagierten begeistert, andere waren eher skeptisch – die Erwartungen der Menschen an Automatisierung sind noch sehr unterschiedlich.  

„Hamburg TruckPilot“ war nicht das erste Automatisierungsprojekt von MAN – auch nicht für Sie. Was machte das Projekt am Hamburger Hafen besonders?

Völl Die Atmosphäre im Hafen ist einmalig, es war ein tolles Umfeld, um unsere Automatisierungstechnik zu testen. Ich erinnere mich gerne daran, als unser Prototyp zum ersten Mal automatisiert in eine Blocklagerspur rangiert ist. Da haben wir gesehen: Es funktioniert, wir können die hohen Genauigkeitsanforderungen halten. Und als im erfolgreichen Pilotbetrieb der erste Container vom Chassis abgehoben hat, war ich super stolz auf das gesamte Team!

Die Praxistestfahren verliefen erfolgreich. Welche Erkenntnisse nimmt MAN aus Hamburg mit?

Völl Zum einen die Erkenntnis, dass unser Software-Ansatz in einem abgegrenzten Bereich wie im Hafen gut funktioniert. Auch haben wir Herausforderungen bei der Erkennung von Fahrspurbegrenzungen und bei der Agilität der Automatisierungssteuerung identifiziert. Einen großen Sprung haben wir beim Rangieren in der Blocklagerspur gemacht, wo es sehr hohe Genauigkeitsanforderungen mit jeweils nur zehn Zentimeter Platz auf beiden Seiten gab: Das hat sehr gut und reproduzierbar funktioniert.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit der HHLA?

Völl Die Zusammenarbeit war jederzeit sehr gut, wertvoll, unkompliziert und zielführend. Die HHLA hat trotz Corona-Pandemie alles möglich gemacht, damit wir weiter testen und das Projekt im laufenden Betrieb zu Ende bringen konnten. Auch wenn Umplatzierungen oder andere Aktionen auf dem Gelände nötig waren, wurden wir massiv unterstützt.

Wie sehen die weiteren Meilensteine auf der Automatisierung-Roadmap von MAN aus?

Völl Wir sind mit Platooning-Projekten und mit einer technisch reduziert komplexen Umgebung auf der Autobahn gestartet. „Hamburg TruckPilot“ war daher für uns der nächste richtige Schritt, weil wir die weiterentwickelte Automatisierungstechnik auf einem abgetrennten Gelände mit Zugangsbeschränkungen testen konnte, auf dem niedrige Geschwindigkeiten gefahren wurden. Auf diesen Erfahrungen können wir jetzt aufbauen: Als Nächstes werden wir die Automatisierungstechnik zwischen Logistik-Hubs, auch auf der Autobahn und mit höheren Geschwindigkeiten, testen. Die aktuelle Gesetzeslage hilft uns dabei, dass wir das System gesetzeskonform entwickeln und im Hub-to-Hub-Verkehr einsetzen können.

Interview   Susanne Löw
Fotos   MAN

#Automatisierung#AutonomesFahren#Lkw

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