MAN Truck & Bus

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Warum Platooning die Zukunft des Lieferverkehrs ist

 

Beim Platooning fahren zwei oder mehrere Lkw in gleichem Abstand über die Autobahn – aufgefädelt wie an einer Perlenkette. DB Schenker, MAN und die Hochschule Fresenius haben die automatisierten Kolonnen nun unter realen Bedingungen getestet. Fünf Experten benennen wesentliche Vorteile.

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Mehr Platz auf der Autobahn

Auf den ersten Eindruck mag es widersprüchlich klingen, aber tatsächlich entlasten gut geplante, durch W-Lan vernetzte Kolonnen den Verkehr. Zwei Lkw, die nur 50 statt 90 Meter benötigen, schaffen Platz. Das summiert sich, betrachtet man das Potenzial global. Dr. Chung Anh Tran, Head of Autonomous Driving bei der Deutschen Bahn zeigt auf eine große Straßenkarte. Bunt markierte Strecken eignen sich für Landtransporte im Stückgutverkehr. „Mindestens 40 Prozent der von uns gefahrenen Kilometer sind platooningfähig“, sagt er. Profitieren werde davon vor allem die Gesellschaft. Denn werden mehr vorhandene Lücken auf den Autobahnen genutzt, verbessere sich der Verkehrsfluss für alle.

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Weniger Kraftstoffverbrauch, weniger Emissionen

Beim Platooning geht es auch um Einsparung beim Verbrauch. Zwar sind hier noch Feinjustierungen notwendig, aber es geht in die richtige Richtung, und die lautet: weniger Kraftstoffverbrauch, weniger Ausgaben, weniger Emissionen. In Kolonnen nutzen die Lkw den Windschatten des vorausfahrenden Fahrzeugs. 15 bis 21 Metern halten Platoon-Lkw aktuell Abstand. „Durch eine Verringerung auf 10 bis 15 Meter ließe sich die Kraftstoffersparnis von aktuell vier Prozent auf bis zu 10 Prozent weiter steigern“, sagt Sebastian Völl, Projektleiter Automatisiertes Fahren bei MAN. Der Windschatteneffekt würde zudem verstärkt, wenn GPS-gestützte Tempomatfunktionen (MAN EfficientCruise, MAN EfficientRoll) zum Einsatz kämen – im Praxistest war dies wegen Auflagen seitens der Behörden nicht möglich.

Autobahn mit mehreren Autos von oben

Energieeffizienz Die Platoon-Lkw fuhren mit 15 bis 21 Metern Abstand. Die Kraftstoffeinsparung im Test lag bei drei bis vier Prozent. Durch eine weitere Verringerung des Abstands wären zusätzliche Einsparungen möglich.

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Bewährte technische Helfer bilden das Fundament

Die Platooning-Technologie basiert vornehmlich auf bewährten Assistenzsystemen, die in MAN-Serienfahrzeugen bereits erfolgreich genutzt werden. Dazu zählen der abstandsgeregelte Tempomat ACC, das Notbremssystem EBA, das Serienradar und die Serienkamera. „Daher wird die Platooning-Technologie relativ schnell serienreif sein“, sagt Joachim Drees, Vorstandsvorsitzender von MAN Truck & Bus. Selbst Dreier- oder Vierer-Platoons bedeuteten im Praxistest schon jetzt keine große technische Herausforderung mehr.

Starkes Team

An dem Platooning-Praxitest EDDI beteiligten sich, neben MAN, Logistikexperten von DB Schenker und Forscher der Hochschule Fresenius. In einer über zweijährigen Planungs- und Umsetzungphase dieses Testlaufs ist das MAN-Platoon zwischen den Standorten von DB Schenker in München und Nürnberg rund 35.000 Kilometer gependelt.

Mehr über das Projekt

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Neue Technologien bieten noch mehr Sicherheit

Eine konsequente Weiterentwicklung wird automatisiertes Fahren noch berechenbarer machen. Ein Beispiel ist der neu erprobte Lidar-Sensor, der aufgrund seines großen Öffnungswinkels potenzielle Hindernisse oder einscherende Fahrzeuge frühzeitiger erkennt als ein Radar. Wichtig beim Platooning ist auch ein Sicherheitssystem, das alle Steuersignale der Kolonne auf Plausibilität überwacht. Head-up-Displays für Platoon-Piloten empfiehlt Professor. Dr. Christian Haas, Direktor des Instituts für komplexe Systemforschung der Hochschule Fresenius. Mittels Eye-Tracking-Brillen haben er und sein Team die Blickbewegungen der Fahrer ausgewertet und festgestellt, dass diese in manchen Situationen ihren Blick kurz von der Fahrbahn zum Tacho abwenden, um sich über den Zustand des Platoons zu informieren. Diese Blickabwendungen dauerten im Durchschnitt zwar nicht länger als zwei Sekunden, Head-up-Displays würden aber hier Risiken vorbeugen.

Im Video erklärt Zwei Minuten Zukunft – so funktioniert Platooning. 

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Platoon-Piloten genießen neues Prestige

Dr. Sabine Hammer, Forscherin der Hochschule Fresenius hat die Platoon-Piloten nach ihren Fahrten interviewt. „Sie bewerteten Platooning als Plus an Sicherheit und Fahrkomfort“, sagt sie. Das hat mehrere Gründe: Kolonnen schaffen Entlastung für die Fahrer, denn sie haben im Folge-Lkw weniger Lenkzeiten. Zudem erwies sich die Steuerung der zwei elektronisch gekoppelten MAN-Lkw als sehr robust. Nur einmal pro 2000 gefahrene Kilometer mussten Fahrer aktiv eingreifen – deutlich seltener als erwartet. Kein einziges Mal empfanden Fahrer die Situation als unkontrollierbar, selbst dann, wenn sich Autos zwischen die Trucks drängten. Fazit: Die Fahrer vertrauen in die neue Technik und erleben ihre Arbeit als Platoon-Piloten als Aufwertung ihres Berufs.

 

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Text Felix Enzian / Ina Brzoska
Fotos MAN

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