MAN Truck & Bus

Portrait Till Schlumberger

Wir wollen nicht reagieren, sondern mitgestalten

Autonomes Fahren wird kommen, da ist sich Till Schlumberger von der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) sicher. Der Experte für Automatisierung erklärt, welche Herausforderungen auf das Logistik-Unternehmen zukommen – und wie sie sich darauf vorbereiten.

Till Schlumberger

ist Projektleiter bei der HHLA und verantwortlich für das mit MAN Truck & Bus gemeinsam initiierte Projekt „Hamburg TruckPilot“. Er ist zuständig für die Projektkoordination und Ermittlung von perspektivischen Prozessanpassungen für die HHLA.

Herr Schlumberger, was sind die größten Herausforderungen, wenn ein autonom fahrender Lkw im laufenden Betrieb auf dem CTA-Gelände unterwegs ist?

Schlumberger Der HHLA Container Terminal Altenwerder ist durch seine hoch automatisierten Prozesse das ideale Testumfeld, um zukunftsträchtige Technologien zu erproben. Unsere Anlagen arbeiten allerdings 24/7 rund um die Uhr, an 360 Tagen im Jahr. Es ist also eine große planerische Herausforderung, neue Technologien in unsere Terminalprozesse zu integrieren, ohne den laufenden Betrieb zu stören. Wir haben am CTA bereits umfangreiche Erfahrung mit autonomen Fahrzeugen. Seit 20 Jahren transportieren hier sogenannte Automated Guided Vehicles die Container fahrerlos in einem abgeschlossenen Bereich zwischen Schiff und Blocklager. Der Einsatz von autonomen Lkw ist aber eine ganz andere Sache, denn dabei durchmischen sich autonome und klassische Verkehre. Bei den Tests mit den Prototypen-Lkw von MAN spielte deshalb von Beginn an vor allem das Thema Sicherheit für unsere Beschäftigten und andere Verkehrsteilnehmer auf unserem Terminal eine entscheidende Rolle.

Warum hat sich die HHLA dafür entschieden, beim „Hamburg TruckPilot“ mitzumachen?

Schlumberger Autonomes Fahren wird kommen! Darauf wollen und müssen wir uns als HHLA vorbereiten. Es liegt in der Natur der HHLA, sich frühzeitig und vorausschauend mit solchen Entwicklungen zu beschäftigen. Für uns stellt sich schon heute die Frage: Was bedeutet es für unsere Prozesse, wenn perspektivisch autonome Lkw vor dem Terminal stehen? Wie können wir auch weiterhin unsere Leistungsfähigkeit für unsere Kunden sicherstellen? Was bedeutet das für die Arbeitssicherheit? Welche technischen Voraussetzungen müssen geschaffen werden? Dabei wollen wir nicht nur reagieren, sondern die Entwicklung mit Pionierarbeit aktiv mitgestalten. Nicht umsonst hat es sich die HHLA auf die Fahne geschrieben, Motor des digitalen Wandels im Hafen zu sein. 

Wurden Ihre Erwartungen an das Projekt erfüllt?

Schlumberger Ja, wir konnten viele wichtige Erkenntnisse sammeln. Die Herausforderungen sind jetzt deutlich klarer, auch wenn noch ein langer Weg vor uns liegt. Es hat sich aber auch gezeigt, dass es wichtig und richtig ist, dass wir uns so frühzeitig mit diesem Thema beschäftigen. während der Projektkaufzeit haben Bundestag und Bundesrat einen Gesetzentwurf zum autonomen Fahren verabschiedet. Das ist eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft.

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit den MAN-Kollegen?

Schlumberger Ein großes Kompliment an alle Beteiligten. Das war eine sehr gute und professionelle Zusammenarbeit. Ich denke, auf beiden Seiten bestand immer ein großes Verständnis für die jeweiligen Anforderungen und Herausforderungen. Insbesondere unter den Bedingungen der Corona-Pandemie und den restriktiven Maßnahmen an unseren Terminalanlagen. Gerade vor diesem Hintergrund waren die abschließenden Praxistests ein großartiges und erfolgreiches Highlight.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse für die HHLA?

Schlumberger Das wichtigste Fazit ist: Ja, es ist möglich, autonome Lkw in unsere Terminalprozesse zu integrieren. Mit dem Projekt Hamburg TruckPilot haben wir dafür eine erste Grundlage geschaffen. Wir stehen aber noch am Anfang. Die Sicherheit und damit verbundene Akzeptanz von autonomen Verkehren ist dabei ein wichtiger Aspekt. Sicherheitsstandards, die auf öffentlichen Straßen gelten, müssen auch für unsere Terminals gelten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die automatisierte Kommunikationsfähigkeit Terminal/Lkw, die Voraussetzung für die Integration autonomer Verkehre in unseren Betrieb ist. Nun gilt es daran weiterzuarbeiten, um fit für die autonome Zukunft zu sein.

Wie schätzen Sie persönlich die Rolle der Automatisierung in der Logistik in Zukunft ein?

Schlumberger Viele Bereiche des Logistik- und Transportsektors stehen im Vergleich zu anderen großen Leitindustrien erst am Anfang nachhaltiger Veränderungen. Gründer und Start-ups entdecken die Logistik derzeit als oft noch unbestelltes Feld globalen Ausmaßes. Das bietet große Chancen für die HHLA. Nur wer offen für Veränderungen ist und den Mut hat, den Wandel aktiv zu gestalten, wird auch in Zukunft am Markt bestehen können und erfolgreich sein. Dabei müssen wir auch neuen Technologien ohne Vorbehalte begegnen, um die Herausforderungen der Zukunft konsequent anzugehen. Das autonome Fahren und Hamburg TruckPilot sind dafür ein gutes Beispiel.

Interview   Susanne Löw
Fotos   MAN

#Automatisierung#AutonomesFahren#Logistik

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