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Baustellen werden immer komplexer

Die Auswirkungen des Baubooms – und wie Unternehmen darauf klug reagieren können. Ein Interview mit dem PwC-Experten Dr. Martin Nicklis.

Porträt Mann mit Brille und blauem Jacket

Baustellen werden immer komplexer

Die Auswirkungen des Baubooms – und wie Unternehmen darauf klug reagieren können. Ein Interview mit dem PwC-Experten Dr. Martin Nicklis.

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Dr. Martin Nicklis

ist seit 28 Jahren als Experte für Bau und Großanlagenbau in der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoupers (PwC) Germany tätig. Er betreut Unternehmen im Bau- und baunahen Bereich jeder Größer – vom Mittelständler bis zum Dax-Konzern.

Herr Nicklis, welche Folgen hat die starke Konjunktur im Bausektor?

Nicklis Viele Bauunternehmen haben lange Auftragslisten, die sie jetzt erst einmal abarbeiten müssen. Sehr nachgefragte Unternehmen selektieren und nehmen nur noch solche Aufträge an, die für sie zuverlässig umsetzbar und profitabel sind. Ich gehe davon aus, dass diese Situation die nächsten zwei Jahre anhält – selbst wenn sich das allgemeine Wirtschaftswachstum abschwächt.

Welche Faktoren begünstigen die Auftragslage?

Nicklis Hinter dem Bauboom stehen zwei Megatrends: Urbanisierung und Globalisierung. Das Wachstum der städtischen Ballungsräume schafft einen riesigen Bedarf an neuen Wohnungen, Büros und Infrastrukturen. Gerade in Asien und Südamerika ist die Entwicklung hin zur Megapolis ungebrochen. In China wird es im Jahr 2050 Städte mit mehr als 100 Millionen Einwohnern geben.  Zugleich werden durch die Globalisierung der Wirtschaft Produktionsanlagen in entlegenen Weltregionen gebaut, wo man dies früher nie erwartet hätte.

Baustellen werden immer komplexer. Manche Großprojekte verzögern sich über Jahre. Mit welchen Mitteln kann die Bauindustrie solche Probleme lösen?

Nicklis Das wichtigste Instrument, um Bauprojekte besser in den Griff zu kriegen, ist Building Information Modelling (BIM).  Es ermöglicht die virtuelle Abbildung sämtlicher Prozesse eines Bauvorhabens, von der Planung über den Bau bis hin zum Gebäudemanagement und zur Gebäudebewirtschaftung. Das Gebäude existiert schon vor der Grundsteinlegung als virtuelles 3-D-Modell. Die verschiedenen Projektpartner docken mit ihrer Software an dieses Modell an und lassen ihre Daten einfließen. So können alle Schritte zeit- und kosteneffizient geplant und realisiert werden. Große öffentliche Auftraggeber vergeben inzwischen keine Projekte mehr ohne BIM.

Mit welchen Herausforderungen des Booms hat die Bauindustrie sonst noch zu kämpfen?

Nicklis Der Mangel an Arbeitskräften schafft erhebliche Kapazitätsprobleme. Viele Unternehmen suchen händeringend nach qualifiziertem Personal, etwa nach Energiespezialisten, Baumaschinenführern und Bauarbeitern. Außerdem werden die wichtigsten Ressourcen zum Bauen knapp. Zum Beispiel ist etwas Alltägliches wie Sand ein stark umkämpfter Rohstoff, weil er für die Herstellung von Beton benötigt wird. Die Sandpreise steigen und der Abbau ganzer Strände führt zu schweren Umweltschäden. Deshalb entwickelt die Industrie neue Verbundstoffe, die den herkömmlichen Beton ersetzen können.

Interview Felix Enzian

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