MAN Truck & Bus

Stefan Teuchert, IT- und Elektronikspe­zialist bei MAN, steht im Scheinwerferlicht einer Projektion

Fit for Future

10.02.2020

Wie ein Gehirn verar­beitet ein zentraler Rechner im neuen MAN-Lkw alle Infor­mationen und steuert die Prozesse im Fahrzeug­. Das eröffnet un­endliche Möglichkeiten, sagt EE-Architekt Stefan Teuchert. Die neue MAN Truck Generation kann über die Nutzungsdauer mit neuen Funktionen ausgestattet werden, die ans bestehende System andocken.

Der EE-Experte

IT- und Elektronikspe­zialist Stefan Teuchert ist verantwortlich für die Elektrik und Elektronik sowie die Funktions- und Softwareentwicklung für MAN-Fahr­zeuge. Die EE-Architektur des neuen MAN-Lkw, auf die er viele Jahre hingear­beitet hat, ist beruflich sein ganzer Stolz.

 

Klar, einfach, bereit für die Zukunft und offen muss sie sein, das war Stefan Teuchert, Leiter des Bereichs Electric Electronic Systems bei MAN, bereits vor 15 Jahren klar. Die Rede ist von der Elektrik- und Elektronik-Architektur (EE) der neuen Fahrzeuge. Über ein Jahrzehnt wurde hierzu geforscht und die Architektur entwickelt. Die wichtigsten Prämissen: Zum einen das System so schlicht wie möglich halten, um für Stabilität zu sorgen und Ausfälle unwahrscheinlicher zu machen. Zum anderen das System außerordentlich flexibel gestalten, damit unterschiedlichste Anwendungen integriert werden können – auch solche, die es heute noch gar nicht gibt. „Damit das möglich ist, haben wir uns gezwungen, radikal umzudenken“, erklärt Teuchert. Bislang sind in Fahrzeugen dezentrale EE-Architekturen üblich. Viele Funktionen – vom Tempomat bis zum Abbiegeassistenten – haben ihre eigene Hardware. „Das ist so, als würden Sie einen Laptop haben, auf dem nur Word läuft. Wenn Sie Excel nutzen wollen, müssen Sie einen neuen Laptop kaufen. Paradox, aber in der Automobilbranche gar nicht so unüblich“, sagt ­Teuchert. Außerdem ist die Kommunikation der verbauten Hardware untereinander mitunter schwierig und das Nachrüsten hat seine Grenzen – Probleme, die Teuchert mit seinem Team lösen wollte.

 

Transportwesen 4.0


Wir haben uns gezwungen, radikal umzudenken.

Stefan Teuchert

Das Ergebnis ist eine komplett neue EE-Architektur. Deren Kern bildet ein zentraler Rechner im Inneren des Fahrzeugs, eine Art Gehirn, über den alle Informationen laufen und der alle Prozesse steuert. Das Geniale daran: Neue Funktionen können dank Internetschnittstellen ähnlich wie beim Smartphone aufgespielt werden, ohne dass das Fahrzeug in die Werkstatt muss. Dazu können etwa Funktionen und Apps gehören, die beim kraftstoffsparenden Fahren unterstützen oder bei der Erfüllung gesetzlicher Anforderungen helfen. Auch Software von Drittanbietern kann problemlos integriert werden. Das ermöglicht noch mehr Funktionalität und Mehrwert für den Nutzer. Diese Offenheit und Flexibilität macht den neuen MAN-Truck zu einem zukunftssicheren und nachhaltigen Fahrzeug. Seine wahre Stärke wird vor allem in den nächsten Jahren spürbar werden, wenn er sich durch neue Funktionen im Handumdrehen gewissermaßen selbst aktualisiert. Auch für Updates des zentralen Rechners ist der neue digitale Truck vorbereitet. 

Ein Rechner, tausend Möglichkeiten

Schon heute sind die Vorteile des neuen elektrisch-elektronischen Innenlebens zu spüren. So können die unterschiedlichen Assistenzsysteme dank der zentralen Struktur deutlich besser zusammenarbeiten. Das steigert die Performance des Fahrzeugs deutlich. Ein Beispiel: Die Kartendaten des Lkw werden zentral bereitgestellt und machen bestehende Funktionen wie das Antriebsstrangmanagement (Fahren, Schalten), die Kühlung oder den EfficientCruise noch vorausschauender. Das spart Kraftstoff und lässt die Systeme menschenähnlicher und intuitiver agieren. Außerdem ist das perfekt abgestimmte Zusammenspiel verschiedener Sensoren eine der wichtigsten Grundlagen für automatisiertes Fahren. Alle neuen Trucks sind bereits mit einer großen Anzahl von Assistenzsystemen ausgestattet. Neu ist unter anderem der Abbiegeassistent, der den toten Winkel unter Kontrolle hat und so beim Abbiegen und Spurwechsel für Sicherheit sorgt. Trotz der zahlreichen neuen Möglichkeiten ist die EE-Architektur aufgeräumt und auf das Nötigste reduziert. „Denn wo weniger drin ist, kann auch weniger ausfallen“, sagt Teuchert. Ein hohes Maß an Standardisierung und Qualität der Software bildet die Basis für jetzige und künftige Anwendungen. So ist Teuchert und seinem Team eine kleine Revolution gelungen – ein Fahrzeug, das seiner Zeit voraus ist und der Entwicklung im Bereich automatisiertes Fahren mit Sicherheit neuen Schwung verleihen wird.