MAN Truck & Bus

20.12.2019

MAN Impact Accelerator

 

Start-ups mit einem sozialen Fokus haben es schwer. Deshalb unterstützt MAN mit dem Impact Accelerator bereits zum dritten Mal soziale Jungunternehmen aus aller Welt – diesmal kommen sie aus Europa, Afrika und Südamerika. Mit welchen Challenges die Start-ups kämpfen und wie MAN ihnen dabei hilft, lesen Sie hier.

Teilnehmer des MAN Impact Accelerators
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Die Stimmung ist gut Alle Teilnehmer lernen sich vor Beginn der Sessions kennen, um eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

Eine Adresse zu besitzen, ist für die meisten Menschen selbstverständlich. Dennoch können vier Milliarden Menschen auf der Welt ihren Wohnort nicht mit einem Straßennamen, einer Hausnummer und Postleitzahl angeben. Ohne Adresse bleiben ihnen essenzielle Möglichkeiten verwehrt. Sie können weder ein Bankkonto eröffnen, noch eine Versicherung abschließen oder Produkte bestellen und nach Hause liefern lassen. 

Das wollen die Schwedinnen Karoline Beronius und Maria Cheadle mit ihrem Start-up Addressya ändern. Seit drei Jahren arbeiten sie an einer Applikation, die Adressen aus Geodaten generiert. Nutzen können sie sowohl private Personen als auch Unternehmen und Regierungen. Denn auch für sie bringt die Anwendung enorme Vorteile: Regierungen sind damit in der Lage, mehr Daten zu erheben. Dadurch lassen sich repräsentativere Untersuchungen durchführen und entsprechende Maßnahmen für die Bevölkerung ableiten. 

Doch so vielversprechend eine Businessidee auch klingt, bis zu den schwarzen Zahlen oder gar einem erfolgreichen Exit haben Start-ups einen langen Weg vor sich. Die größten Probleme haben Jungunternehmer in Europa mit der Profitabilität und der Liquidität. Zu diesem Ergebnis kommt der „EU Startup Monitor Report 2018“, der von der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben wurde. Besonders sozialen Entrepreneuren fällt es schwer, Investoren zu gewinnen. Solche social Businesses zeichnen sich durch einen innovativen Lösungsansatz für soziale und ökologische Probleme aus, der auf nachhaltigen Geschäftsmodellen beruht. In einer Analyse fand die Unternehmensberatung McKinsey heraus, dass Mainstream-Investoren in sozialen Start-ups nicht genug Potenzial für eine schnelle Skalierung und einen attraktiven Return sehen und sich meist auf den Ausbau von Tech-Start-ups fokussieren. Kurzum: Es fehlt an Unterstützung – nicht nur finanziell, sondern vor allem strategisch.

Das Ziel: die Unternehmensvision schärfen, den Organisationsaufbau nachhaltig gestalten und so den sozialen Impact stärken.

Ein einzigartiges Programm

Seit 2017 füllt der MAN Impact Accelerator genau diese Lücke. MAN und Yunus Social Business, eine Initiative des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus, haben sich für das Mentoring-Programm zusammengetan. „Wir wollen damit Social Business Start-ups aus dem Bereich Mobilität, Transport und Logistik durch gezieltes Mentoring bei der Skalierung ihrer Geschäftsmodelle unterstützen und den Austausch innerhalb des Ökosystems fördern“, sagt Florian Stehbeck, Programmkoordinator des MAN Impact Accelerators, der sich als Digital Innovation Manager bei MAN auch mit Partnerschaften im Rahmen neuer Geschäftsmodelle beschäftigt. „Dazu laden wir jährlich acht Start-ups aus aller Welt zu unserem achtmonatigen Programm ein.“ Finanziell beteiligt sich MAN an den Start-ups jedoch nicht. Der Fokus des Programms liegt vielmehr darauf, die Entwicklung der Start-ups mit Wissen, einem Netzwerk und Zeit zu unterstützen. Beim dritten Batch, der im November startete, können Jungunternehmer aus Europa, Afrika und Südamerika diese Chance ergreifen. Neben Addressya sind in dieser Runde auch die Start-ups Arone, Eu Vo, Koiki, Suma, Nina, XYT und Zembo dabei.

Bis Juni 2020 durchlaufen die Gründer verschiedene Stationen in München, São Paulo, Lissabon und Johannesburg, bevor das Programm mit der offiziellen Abschlussveranstaltung in München endet. Das Ziel: die Unternehmensvision schärfen, den Organisationsaufbau nachhaltig gestalten, die Geschäftsentwicklung planen und so den sozialen Impact stärken. Während des Accelerators beschäftigen sich die Teilnehmer mit Themen rund um Purpose, Business Development, Impact, Product Development, Marketing, Communications, Technology, Growth und Investment. Den Gründern stehen neben Mentoren von MAN auch Experten aus dem breiten Netzwerk von Yunus Social Business zur Seite.

Durch meine langjährige Erfahrung kann ich die Gründer bei vielen Fragen beraten und mit ihnen gemeinsam einen Weg finden, ihr Start-up voranzubringen.

Simon Krämer
Leiter der Werksinfrastruktur bei MAN

Sogenannte „Topic“-Mentoren von MAN unterstützen die Start-ups ebenfalls. Sie spielen bei deren Weiterentwicklung eine zentrale Rolle, weil sie die Gründer zu einem speziellen Themengebiet beraten können. Vor allem die „Lead“-Mentoren aus den MAN-Bereichen Produktion, Logistik, Engineering, Digitale Transformation & Business Models, IT, Sales, Produktstrategie und Finanzen stehen den Start-ups bei ihrer persönlichen wie fachlichen Entwicklung zur Seite. Sie begleiten die Teilnehmer über die gesamte Dauer des Programms hinweg und sorgen dafür, dass die Jungunternehmer den Input aller Mentoren strukturieren und die nächsten Schritte für ihre Start-ups daraus ableiten können. Einer von ihnen ist Simon Krämer, Leiter der Werksinfrastruktur bei MAN. Beim dritten Batch ist der Lead-Mentor für das französische Start-up XYT zuständig. Dieses hat ein modulares E-Fahrzeug entwickelt, das Transport-Unternehmen bei der letzten Meile unterstützt und grüne Mobilität fördert. „Durch meine langjährige Erfahrung kann ich die Gründer von XYT bei vielen Fragen unterstützen und mit ihnen gemeinsam einen Weg finden, das Start-up und deren Geschäftsmodell voranzubringen“, ist sich Krämer sicher.

Wie sich die Start-ups weiterentwickeln

Zusätzlich zu den internen Mentoren sind auch externe Mentoren an Bord. Schon in der ersten Programmwoche konnten die Teilnehmer des dritten Batches von Mitarbeitern unterschiedlicher Unternehmen wie Marley Spoon, Lumen Partners und der IKEA Group lernen. In der ersten Woche mit dabei war auch Verena Liedgens, Strategieberaterin bei diffferent in München. Während ihrer Mentoring-Sessions gibt sie den Gründern jede Menge Tricks an die Hand – von User Research über Business Model Design bis hin zu Investoren-Pitches. Dabei spricht sie aus eigener Erfahrung und kann den Entrepreneuren helfen, Fehler zu vermeiden. Denn Liedgens war selbst Gründerin. Sie hat das Logistik-Start-up Agrippa in Kolumbien aufgebaut. „Ich kann den Gründern auf Augenhöhe begegnen und ihre Realität ganz gut einschätzen. Das ist manchmal wichtiger als ausgefeilte Strategien auf Papier“, sagt Liedgens. Im weiteren Verlauf des Programms treffen die Teilnehmer außerdem auf Mentoren großer Innovationstreiber wie Amazon, Google und Uber.

Die Kombination von internen und externen Mentoren ist etwas Besonderes in der Zusammenarbeit mit Social Business Start-ups aus dem weltweiten Ökosystem Mobilität, Transport und Logistik. „Deshalb ist unser Programm so einzigartig und erfolgreich“, betont Florian Stehbeck. Das beweisen auch die positiven Ergebnisse der ersten Batches. Hier fokussierten sich MAN und Yunus Social Business auf Start-ups aus Europa, Südafrika und Indien. Eines von ihnen war Breeze Technologies, das an der zweiten Runde des Accelerators teilnahm. Die Gründer Robert Heinecke und Sascha Kuntze haben mit Breeze Technologies ein kostengünstiges Überwachungssystem für die Luftqualität entwickelt. Dafür wurden sie 2018 zu den „Forbes 30 unter 30 Social Entrepreneurs“ gezählt.

Zu den erfolgreichen Gründerinnen aus dem zweiten Batch zählt auch Ajaita Shah aus Indien. Mit ihrem Start-up „Frontier Markets“ vertreibt sie nachhaltige Energielösungen für den ländlichen Raum und stellt Frauen dabei in den Mittelpunkt der Wertschöpfungskette. Shah konnte so schon Tausende Inderinnen zu Unternehmerinnen machen, die ihre Dörfer mit Solaranlagen versorgen. Beim MAN Impact Accelerator unterstützen die Mentoren Shah bei der Skalierung und brachten sie in Kontakt mit möglichen Investoren. Von deren Wissen und Netzwerk konnte sie profitierten. Mittlerweile spricht Ajaita Shah sogar vor der UN Vollversammlung über ihre Vision.

Maximaler Impact auf allen Ebenen

Der Erfolg des MAN Impact Accelerators spricht sich rum. 2017 bewarben sich noch rund 80 Start-ups, 2019 waren es schon mehr als 300. „Für wen wir uns entscheiden, hängt nicht ausschließlich davon ab, wo die Start-ups in ihrer Entwicklung stehen oder ob sie Hardware- oder Software-basierte Lösungen anbieten“, erklärt Florian Stehbeck. Vielmehr zähle, ob MAN und Yunus Social Business die Start-ups mit ihrer Expertise und ihrem Netzwerk unterstützen und den größtmöglichen Impact erzeugen könnten, so der Programmkoordinator. „Wir suchen nicht nach dem neuen Facebook oder Google“, ergänzt Arunima Singh, die das Projekt seitens Yunus Social Business leitet. „Wir suchen nach Unternehmen, die das Potenzial besitzen, sozial zu agieren und trotzdem nachhaltig wirtschaften zu können. Das sind keine Gegensätze.“

Diese Auswirkung ist schließlich das Hauptziel und der Grund, warum Joachim Drees, CEO bei MAN, und Muhammad Yunus den MAN Impact Accelerator 2017 ins Leben gerufen haben. „Wir bei MAN sind uns unserer sozialen wie ökologischen Verantwortung bewusst und wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt Stehbeck. Doch der MAN Impact Accelerator ist mehr als ein Corporate-Social-Responsibility-Programm. Denn auch MAN profitiert davon. „Wir wissen, dass wir uns als Unternehmen verändern müssen, um auch in Zukunft das Geschäft unserer Kunden einfacher, effizienter und erfolgreicher gestalten zu können“, sagt Stehbeck, „und wir sind fest davon überzeugt, dass uns Partnerschaften dabei helfen.“ Dafür sei das Mentoring-Programm der beste Beweis. Unterschiedliche Ansichten und Perspektiven würden hier zusammenkommen und ein kontinuierlicher, fruchtbarer Austausch gepflegt, so der Programmkoordinator. 

Zudem bringt MAN mit dem Accelerator-Programm ein Stück Innovations- und Unternehmergeist zurück ins eigene Unternehmen. „Unsere Mentoren nehmen viele positive Eindrücke aus ihren Mentoring-Sessions in ihre Teams bei MAN mit“, erklärt Stehbeck. „Wir stellen Menschen in den Mittelpunkt neuer Innovationen und schaffen es so, uns wichtiger gesellschaftlicher Probleme anzunehmen und dafür Lösungen zu finden.“ Dadurch könne sich nicht nur die Gesellschaft nachhaltig verändern, sondern auch die Unternehmenskultur von MAN. Denn alle Seiten würden voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren, so Stehbeck. Auf diesen Austausch freuen sich auch die teilnehmenden Start-ups wie Addressya. „Wir sind unheimlich dankbar dafür, dass wir für den Impact Accelerator ausgewählt wurden und haben bereits in den ersten Seminar-Tagen viele hilfreiche Impulse bekommen“, sagt Maria Cheadle, Mitgründerin von Addressya. „Bis Juni können wir nun Ideen austauschen und von der Expertise von MAN Truck & Bus und Yunus Social Business profitieren.“

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Kandidaten

aus aller Welt haben sich 2019 für die dritte Runde des Impact Accelerators beworben.


 

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Start-ups

wurden ausgewählt und starteten ihre gemeinsame Reise in München.


 

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Mentoren

kümmern sich um die Teilnehmer und teilen ihr Know-how.


 

Text Tanita Hecking
Fotos Janek Stroisch

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