MAN Truck & Bus

NEOPLAN ist Kult

Die Marke NEOPLAN, heute Teil von MAN Truck & Bus, steht für innovative Technik, exklusives Reisen und herausragendes Design. Mit seinem Buch „Auwärter NEOPLAN Omnibusse“ blickt der frühere NEOPLAN Werbeleiter und ehemalige Geschäftsführer von MAN Truck & Bus Deutschland Hans-Joachim Pilz auf die bewegte Geschichte von NEOPLAN zurück.

Portrait von dem ehemaligen Geschäftsführer von MAN Truck & Bus Deutschland Hans-Joachim Pilz

NEOPLAN ist Kult

Die Marke NEOPLAN, heute Teil von MAN Truck & Bus, steht für innovative Technik, exklusives Reisen und herausragendes Design. Mit seinem Buch „Auwärter NEOPLAN Omnibusse“ blickt der frühere NEOPLAN Werbeleiter und ehemalige Geschäftsführer von MAN Truck & Bus Deutschland Hans-Joachim Pilz auf die bewegte Geschichte von NEOPLAN zurück.

21.08.2020

Hans-Joachim Pilz

Der Buchautor kam 1979 als Werbeleiter zu NEOPLAN, es folgten Stationen als Marketing- und Vertriebsleiter sowie als Unternehmens- und Pressesprecher. Nach dem Kauf von NEOPLAN durch MAN war er zuletzt Geschäftsführer der MAN Truck & Bus Deutschland GmbH und dort für das Busgeschäft von MAN und NEOPLAN verantwortlich. Kürzlich ist sein Buch „Auwärter NEOPLAN Omnibusse“ erschienen, das er zusammen mit Co-Autor Andreas Schneider geschrieben hat.

Herr Pilz, Sie haben ein Buch über die Geschichte von NEOPLAN geschrieben – warum?

Pilz Konrad Auwärter, der vor dem Kauf durch MAN Gesellschafter und Vorsitzender des Verwaltungsrates bei NEOPLAN war, hat den Anstoß für das Buch gegeben. In meinen verschiedenen Funktionen bei NEOPLAN war ich immer auf Augenhöhe mit der Familie und kenne Konrad Auwärter daher auch sehr gut. Wir haben irgendwann festgestellt, dass es bisher kein umfassendes Werk über die gesamte NEOPLAN Geschichte gibt. So kam es zu diesem umfangreichen Projekt. Es ist einerseits eine Wirtschaftsbiografie, andererseits durch den „Typenkompass“ ein umfassender Überblick über die Fahrzeugmodelle von NEOPLAN. Konrad Auwärter und ich sind Zeitzeugen, die über diese Phasen des Unternehmens berichten können, weil wir es hautnah miterlebt haben.

NEOPLAN - Portrait Konrad Auwärter, dem ehemaligen Vorsitz des Verwaltungsrats von NEOPLAN

Konrad Auwärter: Der Ingenieur wurde 1940 als zweiter Sohn von Gottlob Auwärter geboren. Er machte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und studierte im Anschluss, wie auch sein Bruder Albrecht Auwärter, an der Wagenbauschule Hamburg. Nach dem überraschenden Tod seines Bruders Albrecht im Jahr 1994 übernahm er den Vorsitz im neu gegründeten Verwaltungsrat von NEOPLAN.

Welche Fahrzeuge aus der Unternehmensgeschichte sind denn aus Ihrer Sicht die prägendsten?

Pilz Für das Unternehmen war der erste eigene Bus, der „NEOPLAN“, von 1953 ein Meilenstein und läutete den Umstieg vom Karosseriebauer zum Bushersteller ein. Wirtschaftlichen Erfolg und internationales Renommee brachte dann 1961 der Bus „Typ Hamburg“. Vier Jahre später kamen die Reisedoppeldecker, mit denen NEOPLAN auf dem Markt lange Zeit konkurrenzlos war. Der Durchbruch der Niederflurbusse 1987 sorgte ebenfalls für einen Umbruch in der Branche, genau wie der Megaliner fünf Jahre später, der die Zulassung längerer Busse möglich machte. Der 1988 vorgestellte Metroliner hatte die erste selbsttragende Fahrgastzelle aus Faserverbundwerkstoffen, was zu dem Zeitpunkt nur von NEOPLAN realisiert wurde.

Welcher Bus war letztlich der erfolgreichste?

Pilz Der Reisehochdecker Cityliner hat die Unternehmensgeschichte entscheidend geprägt. Durch den tiefer gelegten Fahrerplatz und den erhöhten Fahrgastraum hatten die Fahrgäste auf einmal eine uneingeschränkte Sicht nach vorn. Außerdem bot der Bus eine Unterflurtoilette, eine Unterflurbordküche und einen großen Kofferraum. Durch den Cityliner war Reisen so komfortabel wie noch nie zuvor. Deshalb war das Modell wohl der erfolgreichste Bus von NEOPLAN und wird seit 1971 produziert.

Gab es auch Momente, in denen sich das Unternehmen an veränderte Marktlagen anpassen musste?

Pilz NEOPLAN war immer der kleinere Sparringspartner im Vergleich zu seinen damaligen Mitbewerbern wie MAN. Das Unternehmen hat deswegen stets versucht, Marktnischen zu besetzen und neue Impulse zu geben, um neben den Großen bestehen zu können. Bob Lee, der von Albrecht Auwärter ins Unternehmen gebracht wurde, war für das Design verantwortlich – und hatte ein goldenes Händchen dafür. Mit den großen Konkurrenten und ihren riesigen Entwicklungsabteilungen konnte NEOPLAN nur mithalten, weil das Unternehmen in manchen Bereichen einfach schneller und kreativer war.

NEOPLAN Skyliner 1967

Das Flaggschiff: Am 26. April 1967 lief der erste NEOPLAN Skyliner vom Band. Inzwischen ist die siebte Generation auf dem Markt.

Neben Bob Lee spielte die Familie Auwärter eine wichtige Rolle für das Unternehmen. Beide Auwärter-Söhne haben eigene Fahrzeugmodelle entwickelt und hohe Posten übernommen. Gab es auch eine Zeit, als der Einfluss der Familie Auwärter weniger groß war?

Pilz Nein. Die Familie Auwärter war, zusammen mit Bob Lee und anderen bekannten Mitarbeitern, das Herz von NEOPLAN. Der Gründer Gottlob Auwärter war ein typischer Vertreter der schwäbischen Unternehmensgründer-Generation. Er war ein Familienmensch, fleißig und sparsam. Seine Söhne Albrecht und Konrad Auwärter haben dann als Vertreter der zweiten Generation NEOPLAN weitergeführt und die Firma deutlich ausgebaut.

Was hat das für die Marke bedeutet?

Pilz Albrecht Auwärter, der leider schon mit Ende 50 starb, war der Visionär unter den beiden Brüdern. Technisch und betriebswirtschaftlich sehr talentiert, hat er die Expansion des Unternehmens vorangetrieben. Sein Bruder Konrad Auwärter ist ein hervorragender Ingenieur und hat die Grundlagen für die Doppeldeckermodelle gelegt. Konrad ist auch derjenige, der das Werk in Pilsting zu einem wirklichen Bilderbuchbetrieb aufbaute – das war sein Lebenswerk. Dann ist es noch wichtig, Else Auwärter zu erwähnen, die für die Finanzen zuständig war.

Die richtigen Ideen hatte NEOPLAN auch in den 1990er-Jahren. Damals arbeitete man an nachhaltigen Antrieben.

Pliz In den 90ern gab es wirklich alles bei NEOPLAN: von reinen Batteriefahrzeugen, Fahrzeugen mit Gasmotoren, Hybridfahrzeugen mit dieselelektrischen Antrieben bis hin zur Brennstoffzelle oder zum Wasserstoffmotor.

Waren die nachhaltigen Fahrzeuge damals schon erfolgreich?

Pilz Teilweise. Die Gasbusse in den USA oder im Bayerischen Wald waren zum Beispiel eine absolute Erfolgsstory, ebenso die dieselelektrischen Busse. Hätte NEOPLAN die Chance gehabt, diese alternativen Antriebskonzepte weiterzuverfolgen, wäre man heute sicherlich schon weiter.

2001 wurde NEOPLAN von MAN übernommen. Was hat sich verändert?

Pilz NEOPLAN ist heute kein Unternehmen mehr, sondern eine Marke von MAN Truck & Bus, eine Edelmarke sogar. MAN fährt eine Zwei-Marken-Strategie, baut MAN Busse und NEOPLAN Busse mit unterschiedlicher Ausrichtung. NEOPLAN ist weiterhin innovativ, offen für neue Technologien und setzt dabei auf exklusive Reiseerlebnisse sowie hochwertiges Design – absolute Kernkompetenzen.

Sie beleuchten in Ihrem Buch auch die Auwärter-Museen in Stuttgart und Pilsting und die Oldtimerszene – ist NEOPLAN heute Kult?

Pilz Die Oldtimerszene um NEOPLAN ist sehr vital. Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmern, die stolz auf ihre alten NEOPLAN Busse sind. Die technischen Meilensteine, die von NEOPLAN entwickelt wurden, sind auf jeden Fall Kult. Dass diese Szene so floriert, ist vor allem Konrad Auwärters Verdienst. Er hat letztes Jahr das Museum in Pilsting eröffnet und widmet sich der Traditionspflege. Am 24. August feierte Konrad Auwärter seinen 80. Geburtstag – herzlichen Glückwunsch, weiterhin viel Schaffenskraft und große Anerkennung für sein Lebenswerk.

NEOPLAN Skyliner 2017

Smart-Edge-Design: der NEOPLAN Skyliner, hier Baujahr 2017, gilt als Klassiker des Busdesign.

Interview Richard Diesing
Fotos NEOPLAN Archiv

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