MAN Truck & Bus

Mit Biogas durch Tiflis

15.10.2019

Im Fußball hat Kacha Kaladse fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Jetzt regiert er die georgische Hauptstadt Tiflis und will ihren Nahverkehr ins 21. Jahrhundert führen. Als Partner für die Mission hat er MAN ausgewählt.

Kacha Kaladse, Bürgermeister von Tiflis, im Gespräch mit Mitarbeitern des städtischen Verkehrsunternehmens

Hochengagiert Bürgermeister Kacha Kaladse (Mitte) kümmert sich persönlich um die Anschaffung und Ausstattung der Stadtbusse für Tiflis. © Nodar Tskhvirashvili

Kacha Kaladse muss nur vor die Tür treten, wenn er begutachten möchte, wie es mit der Verkehrswende von Tiflis vorangeht. Keine 50 Meter vor dem Rathaus der georgischen Hauptstadt halten die Buslinien 14, 29 und 49 alle paar Minuten. Menschen strömen hinaus und verteilen sich auf die umliegenden Geschäfte, Banken und Regierungsgebäude. Neue Passagiere steigen in die modernen MAN-Busse ein. Nach ein paar Sekunden verabschieden sich die Fahrzeuge mit einem leisen Brummen ins Getümmel der Stadt. 

Tiflis’ öffentlicher Nahverkehr fußt heute auf einem sorgsam orchestrierten und modernen Verkehrskonzept. Dabei drohte er noch vor einigen Jahren an Altersschwäche und Chaos zugrunde zu gehen. Wie überall auf der Welt zieht auch Georgiens Hauptstadt immer mehr Menschen an. Fast ein Drittel der Bevölkerung des Landes lebt heute hier. Sie alle wollen von A nach B, mehrfach am Tag, 365 Tage im Jahr. Doch bis vor Kurzem lag die letzte Erneuerung der Tifliser Busflotte Jahre zurück. Immer mehr Autos und Minibusse verstopften die Straßen der Stadt. So entstand eine riesige strategische Herausforderung für den öffentlichen Nahverkehr. Das erkannte Kacha Kaladse schnell, als er im November 2017 als Bürgermeister ins Rathaus einzog. „Unsere Priorität beim Verkehr war, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, um die Zahl der Autos zu senken und die ökologischen Bedingungen in Tiflis zu verbessern“, erinnert er sich. Sein Team analysierte den internationalen Busmarkt, durchleuchtete die Situation in Tiflis und fertigte Machbarkeitsstudien für eine neue Busflotte an. Auf dieser Grundlage stellte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) 27 Millionen Euro an Fördergeldern bereit. 

Kacha Kaladse betrachtet MAN-Busse mit CNG-Biogas-Antrieb

Saubere Sache Kacha Kaladse setzt auf MAN-Busse mit CNG-Biogas-Antrieb, um den Vekehr von Tiflis umweltfreundlicher zu machen. © Nodar Tskhvirashvili

ENERGIEWENDE MIT BIOGAS

„Der Auftrag wurde öffentlich ausgeschrieben und es gab insgesamt fünf Angebote“, berichtet Kaladse. Nach genauer Analyse war klar: Der Zuschlag geht an MAN. „Die neuen Busse von MAN sind sicher, barrierefrei, klimatisiert und komfortabel für Fahrer und Insassen“, sagt Kaladse. „Vor allem aber sind sie ökologisch sauber, weil sie mit CNG-Biogas fahren.“ Eineinhalb Jahre nach dem Zuschlag für MAN rollen die ersten Busse durch Tiflis.

Dass die Verkehrswende von Tiflis so schnell Fahrt aufnehmen konnte, liegt auch an der Durchsetzungskraft von Kacha Kaladse. In seiner Zeit als Fußballprofi hat der Georgier für den AC Mailand verteidigt, mit dem Verein zweimal die Champions-League gewonnen und gelernt, seine Ziele mit Taktik und im Team zu erreichen. „Meine Hartnäckigkeit, meine Teamfähigkeit und meinen Fleiß verdanke ich auf jeden Fall meiner Fußballkarriere“, erzählt er. „Und all diese Fähigkeiten helfen mir auch enorm in der Politik, vor allem jetzt als Bürgermeister von Tiflis, weil diese Stadt eine mobile, fleißige und zielorientierte Regierung braucht.“

Vor allem aber sind die Busse ökologisch sauber, weil sie mit CNG-Biogas fahren.

Kacha Kaladse
Bürgermeister von Tiflis

Kacha Kaladse, Bürgermeister von Tiflis, in einem MAN-Bus

Auge für Details Kacha Kaladse begutachtet die Innenausstattung der neuen Busse. Die Bürger von Tiflis wählten die Farbe für die Sitze aus: Grün. © Nodar Tskhvirashvili

null

 Höhepunkte seiner ersten Karriere: Kacha Kaladse gewann die UEFA Champions League mit Inter Mailand 2006 und 2007.

 

Kacha Kaladse

gilt als einer der erfolgreichsten Fußballer Georgiens. Schon mit 16 Jahren lief er das erste Mal für den georgischen Erstligisten FC Dinamo Tiflis auf. Fünf Jahre später wechselte er zu Dynamo Kiew, bevor ihn im Jahr 2001 der AC Mailand verpflichtete. Mit diesem Club gewann Kaladse unter anderem zwei Mal die Champions League. In der georgischen Nationalmannschaft spielte er 15 Jahre. Nach seiner Karriere als Fußballprofi wechselte Kaladse im Jahr 2012 in die Politik und schloss sich der Partei Georgischer Traum – Demokratisches Georgien an. Nach fünf Jahren als Energieminister kandidierte er 2017 für den Posten des Bürgermeisters von Tiflis und gewann die Wahl mit 51 Prozent der Stimmen.

ZUR DESIGNBESPRECHUNG NACH MÜNCHEN GEREIST

Genauso wichtig war die reibungslose Kooperation zwischen Tiflis und München. „MAN hat alle Vereinbarungen erfüllt und die Busse fristgerecht geliefert“, so Kaladse. Hinzu kamen Schulungen der Busfahrer in Tiflis von MAN-Spezialisten. Insgesamt drei Monate begleiteten die Mitarbeiter von MAN die Einführung der Busse. Kaladse war so zufrieden, dass er in diesem Jahr 90 weitere bei MAN in Auftrag gab. Um Design und Farbe auszuwählen, reiste er zuletzt nach München ins Kundencenter von MAN. „Ich habe schon vorher alle Einwohner von Tiflis aufgefordert, sich an der Auswahl der Farbe für die neuen Busse zu beteiligen“, erzählt Kaladse. Die Entscheidung fiel auf Grün.

In Tiflis sorgen die bereits gelieferten MAN Lion’s City Busse schon jetzt für Entspannung auf den Straßen. Weil die Fahrgäste durch die extrabreiten Türen der Busse besser ein- und aussteigen können, verkürzen sich die Stoppzeiten an den Haltestellen. Der moderne Gasmotor treibt die Busse schnell und sauber durch die Stadt. Und das Elektronische Bremssystem mit Antiblockiersystem, Antriebsschlupfregelung und Elektronischem Stabilitätsprogramm garantiert eine sichere Fahrt.

Beendet ist Kacha Kaladses Mission damit noch lange nicht. Nach dem Ende der Sowjetunion sei in Tiflis fast alles zerstört gewesen, erzählt er. Die Infrastruktur, die Parks, die Architektur, die Sehenswürdigkeiten, das alles habe sich in einem katastrophalen Zustand befunden. „Deswegen stehen wir jetzt vor Herausforderungen in alle Richtungen.“

In Sachen Verkehrswende liegen die konkreten Pläne bereits auf dem Tisch. Um die bestehende Busflotte in Tiflis vollständig zu modernisieren und auszubauen, müssen in den nächsten Jahren bis zu 750 weitere neue Busse her. „Dafür wird es natürlich eigene Ausschreibungen geben“, sagt Kaladse. „Aber die bisherigen Jahre der Zusammenarbeit mit MAN haben gezeigt, dass wir mit MAN einen wirklich verlässlichen Partner an unserer Seite haben.“

Und so könnte sich auch in Kaladses politischer Karriere schon bald der erste riesige Erfolg einstellen. Woran er sich messen lassen will, weiß er jedenfalls schon jetzt. „Wenn ich am Ende meiner Amtszeit vor zufriedene und dankbare Tifliser trete, dann hat das für mich mit Sicherheit mindestens den gleichen Wert wie der Gewinn der Champions League.“

Text Thomas Schmelzer
Fotos shutterstock/antondanilenko (Header)

#Stadtbus

#LionsCity

#Stadtverkehr

#Bus

#Energieeffizienz