MAN Truck & Bus

Nächster Halt: Zukunft

10.01.2020

Hamburg zählt zu den deutschen Pionieren für Mobilität von morgen, vor allem beim öffentlichen Nahverkehr. Der MAN Lion’s City E ebnet seit Dezember den Weg in das elektrische Buszeitalter. Ein Report von der Übergabe der ersten beiden Elektrobusse für den Alltagseinsatz.

Es geht um nachhaltige Transportlösungen, die es Bürgern ermöglichen, das Auto stehen zu lassen.

Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg

Ein sonniger Dezembermorgen in der Hamburger Hafencity. Schiffe tuten auf der Elbe, Möwen kreisen über eine Schar neugieriger Touristen, die Fotos von verhüllten Bussen schießen. Nach einer prominent besetzten Pressekonferenz begeben sich an die 100 Gäste vor die Tore des Miniaturwunderlandes Hamburg. Ein Feuerwerk, dann werden die Riesen befreit: futuristische Busse, geparkt vor historischem Rotklinker der Speicherstadt. Nun glänzen sie im Licht. Zwei MAN Lion’s City E, die neuen Gefährten der Hamburger, die leise surrend und emissionsfrei durch die Stadt rollen werden. 

Hamburg gilt als deutscher Pionier bei nachhaltigen Konzepten für Mobilität – noch vor Berlin, München oder Köln. „Die Stadt kam als erste mit einem klaren Konzept und bemühte sich früh um Ausschreibungen“, sagt Rudi Kuchta, Head of Business Unit Bus bei MAN Truck & Bus. So erhielt die Regierung auch den begehrten Zuschuss des Bundesverkehrsministeriums beim Kauf der ersten MAN Lion’s City E. Zusätzlich zu den beiden Feldversuchsbussen für die Hamburger Hochbahn und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) werden bis Ende 2020 weitere 17 Modelle an die VHH ausgeliefert – der erste eBus Auftrag für MAN. Der Norden sammelt nun wichtige Erfahrungen in der Praxis, von denen andere Städte bei der Entwicklung nachhaltigen Busverkehrs profitieren werden.

„Städte wie Hamburg, die vorankommen wollen in der modernen Mobilität, brauchen gute und starke Industriepartner: Zuverlässig, technisch topmodern und innovativ“, sagt Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher. „Deswegen sind wir sehr interessiert an MAN.“ Die Hamburger dürfen sich in puncto Lärm und Luft freuen: Bis 2030, verspricht der Hamburger Senat, sollen durch die Stadt nur noch emissionsfreie Busse fahren.


Der E-Löwe erobert die Städte

Der Busübergabe in Hamburg ist für MAN ein Auftakt: In den nächsten Monaten sollen weitere 13 Fahrzeuge in fünf europäischen Ländern in den Praxiseinsatz gebracht werden. Ab Oktober 2020 läuft die Serienfertigung für Elektrobusse im polnischen Werk Starachowice.

Ganzheitliche Ladekonzepte für morgen

Ein Highlight des Tages ist die Fahrt aus der Hamburger Hafencity auf den Betriebshof der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein. Denn hier werden die Busse nicht nur geladen, hier steht auch der Second-Use-Energiespeicher. Ein Gemeinschaftsprojekt von MAN, VHH und dem Volkswagen Konzern, bei dem unter realen Betriebsbedingungen getestet wird, wie sich gebrauchte Batterien nach ihrem ersten Einsatz im Fahrzeug und als stationärer Energiespeicher verhalten.

Auf der Tour erläutert Wirtschaftsingenieur Stefan Sahlmann, Head of MAN Transport Solutions, das smarte Ladekonzept. Das Herz des MAN Lion’s E sitzt auf dem Dach. Eine zuverlässige Lithium-Ionen-Batterie (sechs Packs à 500 Kilo) wurde dort sicher installiert und besitzt eine Lebenszeit von rund sechs Jahren. „Nur einmal in seinem Leben muss der Bus seine Batterie wechseln“, sagt Sahlmann.

Unter seiner Regie steht auch der Batterie-Energiespeicher aus Gebrauchtbatterien, den die Kooperationspartner in Hamburg-Bergedorf aufgebaut haben. Aktuell enthält der Container 50 Batterien, die zuvor in VW Passat GTE eingebaut waren – in Zukunft könnten so auch gebrauchte Busbatterien ihren zweiten Einsatz finden. Wie alle Elektrofahrzeuge nutzt der MAN Lion’s City E die Rekuperation, erklärt Sahlmann. Das heißt, er bremst über den Elektromotor, der wiederum im Rückwärtsgang als Generator genutzt wird, um Energie in die Batterie einzuspeisen. „Unter günstigen Bedingungen können die Busse 270 Kilometer weit fahren.“

Der MAN Lion’s City E bringt viele Vorteile mit:


Hamburg fährt elektrisch So lief die feierliche Übergabe der ersten MAN Lion’s City E in der Hamburger Speicherstadt.

Neuer Lifestyle dank futuristischem Design

Das Steuer übernimmt an diesem Tag Collin Jacobs, der seit 30 Jahren Passagiere befördert und sich über die innovative Technik freut. Er liebt vor allem das übersichtliche Cockpit. „Hautnah mitzuerleben, wie sich mein Fahrverhalten auf den Verbrauch auswirkt, veranlasst auch mich, nachhaltiger zu fahren“, sagt er. Mutige Entscheidungen für Busspuren und Ampelbeeinflussung durch das Beschleunigungsprogramm helfen künftig, Staus zu umgehen. In naher Zukunft könnten die Elektrobusse auch mit weiteren Assistenzsystemen nachgerüstet werden und für noch mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen.

Am Betriebshof in Hamburg-Bergedorf angekommen, wärmt eine Runde alkoholfreier Glühwein die Besucher. Hinter Bussen und Ladestationen steht er, der gigantische Akku-Speicher: Hier lagern die 50 gebrauchten Batterien mit einer Leistung von 495 Kilowatt. Die Batterien werden auf sogenannte Racks montiert und dann mittels Batteriemanagement zu einer Großbatterie zusammengeschaltet. Ein Ziel des Projekts ist es, ein flexibles Batteriespeicherungskonzept zu entwickeln, das den Austausch der Batterien erlaubt. Dafür werden mit dem Großspeicher unterschiedliche Szenarien erprobt, um den Leistungsbezug am VHH-Betriebshof in Bergedorf zu optimieren. Zudem versprechen sich die Projektpartner Erkenntnisse zum Alterungsverhalten der Batterien, zum effizienten Batteriemanagement sowie zu den Lebenszyklen künftiger Batterietechnologien.

Dass Mobilität von morgen nicht nur innovative Antriebstechnik, sondern auch einen neuen Lifestyle mitbringt, bestätigt auch Henrik Falk. Der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hochbahn zitiert dazu sein Team, das erste Testfahrten mit den Worten kommentierte: „Das Fahrgefühl ist einfach toll. Auch für Fahrgäste, was einem deutlichen Plus an Platz und einer neuen Lichttechnik zu verdanken ist.“

Visionen für übermorgen: kleine, autonome Busse

Rudi Kuchta hat bereits Visionen für übermorgen, denn daran forscht MAN schon jetzt. „Mit Sicherheit sind Themen wie autonomes Fahren sehr spannend und die ersten seriösen Versuche ohne Fahrer sind bald realistisch darstellbar“, sagt Kuchta. Kleiner und autonom könnten Busse der Zukunft sein. Natürlich elektrisch, aber auch alternative Antriebe, die auf Wasserstofftechnologie basieren, sind denkbare Optionen.

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