MAN Truck & Bus

Portrait Rudi Kutcha

No Emission statt Low Emission

 

Die Elektromobilität hat Fuß gefasst im ÖPNV. Mit seinen elektrischen Stadtbussen bietet MAN schon jetzt nachhaltige und kundenorientierte Lösungen für den ÖPNV der Zukunft. Ein Gespräch mit Rudi Kuchta über die unumkehrbare Transformation der urbanen Mobilität.

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RUDI KUCHTA 

leitet die Business Unit Bus und koordiniert in dieser Funktion die Busaktivitäten bei MAN. Zudem verantwortet der studierte Betriebswirt seit 13 Jahren erfolgreich den internationalen Busvertrieb für die Marken MAN und NEOPLAN.

Herr Kuchta, wie positioniert sich MAN Truck & Bus auf dem Markt für den ÖPNV?

KUCHTA Es ist völlig klar, dass die Zukunft der urbanen Mobilität elektrisch ist. Wir finden sie geradezu elektrisierend und setzen deshalb voll auf batterieelektrische Fahrzeuge. Mit dem MAN Lion’s City E bieten wir schon jetzt die vollelektrische Lösung für den ÖPNV. Die Betreiber profitieren von unserem Gesamtkonzept, das ganzheitliche eMobility Beratung und maßgeschneiderte, zukunftsweisende Mobilitätslösungen zusammenbringt. Wir haben dabei zentrale Fragen wie Ladeinfrastruktur, Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Blick. 

Was waren für MAN bedeutende Meilensteine im Segment für Elektrobusse?

KUCHTA Dazu gehört definitiv das Anlaufen der Serienproduktion des MAN Lion’s City 12 E im Oktober 2020. Dem gingen erste erfolgreiche Alltagseinsätze und langfristig angelegte Feldversuche in diversen europäischen Städten voran. Unter dem Hashtag #ElectrifyingEurope begleiten wir die europäische eBus Demoflotte online auf ihrer Tour durch Europa. Inzwischen wurden erste Serienfahrzeuge bereits an Kunden in Hamburg ausgeliefert. Weitere folgen für den Linienbetrieb im schwedischen Malmö, im dänischen Kopenhagen und in Nürnberg.  

Was ist der nächste Schritt?

KUCHTA Ab April 2021 gehen die ersten vollelektrischen Gelenkbusse in Serie. Auch dabei spielen Praxistests eine wichtige Rolle. Der Gelenkbus wird, genau wie der Solobus, an verschiedenen Orten unter realen Bedingungen im Alltagsbetrieb bei Kunden getestet – konkret zuerst in Köln und Barcelona. 

Was bringen diese groß angelegten Tests überhaupt?

KUCHTA Sie ermöglichen vielfältige Erkenntnisse über zum Beispiel unterschiedliche topographische oder klimatische Verhältnisse. Diese Erfahrungen lassen wir in Entwicklung und Fertigung einfließen und teilen sie auch mit unseren Kunden. Nur so werden die Busse Stück für Stück immer besser. 

Welche Themen sind zentral für Ihre Kunden aus dem ÖPNV?

KUCHTA Neben Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit ist vor allem das Thema Reichweite ein wesentliches Kriterium für unseren Kunden. Schließlich soll auf den Linien, die bisher von einem einzigen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor bedient wurden, zukünftig auch nur ein Elektrofahrzeug unterwegs sein. Andernfalls würde sich eine Umstellung auf Elektromobilität für den ÖPNV wirtschaftlich nicht lohnen. 

Welche Reichweite haben denn die MAN Elektrobusse derzeit?

KUCHTA Mit dem Lion’s City E können wir zuverlässig eine Reichweite von 200 Kilometern über die gesamte Lebensdauer der Batterien sicherstellen. Unter günstigen Bedingungen sind es sogar 270 Kilometer. Damit können Verkehrsbetriebe schon heute einen Großteil ihrer Linien ohne Zwischenladen mit unserem Elektrobus fahren. Doch das reicht uns natürlich nicht. Mit der nächsten Batteriegeneration wollen wir die Reichweite unserer vollelektrisch angetriebenen Busse deutlich steigern. Bis 2025 sollen sie bis zu 400 Kilometer schaffen. Für unsere Kunden würde das bedeuten, dass sie etwa 90 Prozent all ihrer Strecken über nachhaltige Elektromobilität abdecken können. 

Welche Rolle spielt die Politik in der Entwicklung des ÖPNV?

KUCHTA Sie hat die Leitplanken für die urbane Mobilität der Zukunft gesetzt: Da wären zum einen die gesetzlichen Vorgaben zur CO2-Reduktion. Und spätestens, seitdem die Europäische Union die „Clean Vehicle Directive“ verabschiedet hat, müssen Städte die Weichen für eine emissionsfreie Mobilität stellen. Das Ziel ist, von „Low Emission“ zu „No Emission“ zu kommen. Immer mehr öffentliche Verkehrsunternehmen haben das verstanden und setzen bei Neuanschaffungen nur noch auf batteriebetriebene Stadtbusse. Oder sie legen klare zeitliche Ziele für die Umstellung der gesamten Flotte auf emissionsfreie Antriebe fest. 

Wie äußert sich das auf dem Markt für Elektrobusse?

KUCHTA Wir sehen diesen Trend sehr deutlich. Der europäische Gesamtmarkt für Elektrobusse lag im Jahr 2020 bei mehr als 2.000 Fahrzeugen. Und die Tendenz ist ganz klar steigend. 

Verfügt MAN über die entsprechenden Produktionskapazitäten?

KUCHTA Wir fahren die Produktion kontinuierlich hoch, um in diesem dynamisch wachsenden Markt den Lion’s City E erfolgreich anzubieten. Dank des gerade laufenden Ramp-ups werden wir 2021 rund 400 E-Busse fertigen können. In den kommenden Jahren werden wir bis zu 2.500 Fahrzeuge pro Jahr in unserem Werk in Polen produzieren können. Wenn die Nachfrage nach 2026 weiter steigt, sind wir darauf eingestellt, durch weitere Investitionen mehr Produktionskapazität zu schaffen. 

Sind auch Wasserstoffbusse Teil der MAN Strategie für den ÖPNV?

KUCHTA Wasserstoff spielt für uns im Stadtbus-Segment bisher keine Rolle. Wir setzen mit dem Lion’s City E auf ein rein batterieelektrisches Fahrzeug. Für ÖPNV-Kunden hat das aus unserer Sicht ökonomische und ökologische Vorteile. So landen beim Batterieantrieb etwa zwei Drittel des Stroms wirklich auf der Straße – bei Wasserstoffbussen wird nur ein Drittel verwertet. Zudem macht die zukünftige Reichweite von bis zu 400 Kilometern einen Wechsel zwischen zwei verschiedenen Technologien in der innerstädtischen Mobilität nicht notwendig.  

Wie sehen Sie das für die Langstrecke?

KUCHTA In der Tat sind für Überland- und Reisebusse derzeit verschiedene Antriebsarten denkbar. Hier könnten sich Wasserstoff-basierte Antriebe – zum Beispiel mit Brennstoffzelle – als eine mögliche Alternative zum reinen batterieelektrischen Betrieb erweisen. Welche Technologie sich im Fernverkehr durchsetzt, hängt aber von vielen Faktoren ab. Verfügbarkeit und Kosten für den jeweiligen Energieträger, Entwicklung der Ladeinfrastruktur und Fortschritte in punkto Antriebstechnologie sind in diesem Zusammenhang zentrale Aspekte. Aber auch hier gilt, wie generell im Bereich alternative Antriebe: Die Zukunft beginnt jetzt! 

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