MAN Truck & Bus

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Sicher gestreut: Der MAN E-TGM trotzt dem Winter

 

Endlich ist der Winter vorbei und damit auch die Zeit der Schlitterpartien auf den Straßen. Daher kehren die Streufahrzeuge bis zum nächsten Wintereinbruch in ihre Depots zurück. In den Niederlanden hat dieses Jahr einer von ihnen seinen Dienst rein elektrisch verrichtet. Ob das trotz Kälte und widrigen Bedingungen gut funktioniert hat? Ein Besuch beim Unternehmer Gerrit Zuurmond.

Der Unternehmer Gerrit Zuurmond steht zufrieden auf seinem Hof. Das kalte, unberechenbare Wetter ist vorbei, das Eis getaut – und seine Flotte elektrischer Lkw hat den Winter gut bewältigt. Neben einem eTGE haben sich auch die eTGM als zuverlässige Begleiter erwiesen: Das Unternehmen setzt insgesamt drei der vollelektrischen 26-Tonnen-Lkw von MAN ein. Aber wie funktioniert es, ein Streufahrzeug in den Niederlanden zu betreiben, wo es verhältnismäßig selten schneit? Schließlich war der letzte, vergleichbare Schneesturm dort im Jahre 2010. Die Antwort ist: In den Niederlanden gibt es spezielle Streufahrzeuge. Bei entsprechendem Schneefall werden die Bauunternehmen angeschrieben, ob sie freie Kapazitäten bei ihren Kippern haben. Die freien Kipper werden dann für die Zeitdauer des Wintereinbruchs mit einem Nachrüstsystem versehen und die Silos mit dem Streugut auf der Kippfläche verzurrt. Der Streuantrieb dieses Aufbaus wird über eine an die Radnabe angeflanschte Hydropumpe an der letzten Achse realisiert. Damit wird auch die gewünschte Proportionalität zwischen Geschwindigkeit und Streumenge hergestellt. Bei der Firma De Jong Zuurmond wurde der Streuaufbau auf dem bereits vorhandenen Wechselbrücken-System für die Zeit des Wintereinbruchs montiert.

Der Truck wird von einem 264 kW (360 PS) starken Elektromotor angetrieben, der ein Drehmoment von maximal 3.100 Nm bereitstellt. Ideal also für die Herausforderungen, denen sich die Firma De Jong Zuurmond tagtäglich stellen muss. Das Unternehmen ist auf die Verwaltung und Wartung niederländischer Fern- und Wasserstraßen spezialisiert – und hat sich aktiv dem Umweltschutz verschrieben. De Jong Zuurmond erzeugt daher den Strom für seine MAN-Elektro-Lkw in eigenen Windkraftanlagen. „Mit dem eTGM konnten wir unsere Elektro-Flotte stärken und unserem Ziel, emissionsfrei zu werden, ein gutes Stück näherkommen. MAN ist zurzeit der einzige Hersteller, der für uns geeignete Elektro-Lkw fabrikfertig liefern kann”, sagt Unternehmer Zuurmond. Grund genug, einen Blick auf das erste elektrisch angetriebene Streufahrzeug in den Niederlanden zu werfen und interessante Fakten rundherum zusammenzutragen!

Ein elektrischer MAN-TGM wird geladen

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Das Durchhaltevermögen und Ladeverhalten der Lkw

Der vollelektrische eTGM von MAN bietet eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern, je nach Einsatzgebiet, klimatischen und topographischen Bedingungen. Bei einem elektrisch angetriebenen Streufahrzeug wird die Reichweite der Batterie einem Härtetest unterzogen, denn die Klimaanlage heizt permanent, damit der Fahrer nicht friert. Dennoch hat sich der Elektro-Truck beim Wintereinsatz in den Niederlanden glänzend bewährt. Denn Gerrit Zuurmond hat für das elektrisch angetriebene Streufahrzeug eine intelligente Einsatz- und Ladestrategie gewählt, mit der die Batterie nicht einmal ansatzweise an ihre Kapazitätsgrenze gebracht wurde – und das selbst im Winter trotz Kälte. Eine Streutour bei Zuurmond ist 100 Kilometer lang. Am Ende der Runde kehrt der Lkw mit einer etwa halb leer gefahrenen Batterie zur Baustelle zurück. Dort wird sie in vier Stunden wieder komplett aufgeladen. Dann nimmt das Fahrzeug neues Streugut auf und startet zur nächsten Tour. Bei Zuurmond erfolgt das Aufladen mittels des firmeneigenen Ladecontainers. Dieser enthält Batterien, die wiederum durch Windenergie und Solarpaneele aufgeladen werden. Allgemein ist das Aufladen der Lkw entweder mit einer Ladeleistung von 22 oder 44 kW mit Wechselstrom oder als sogenanntes „High-Power-Charging“ mit 150 kW Gleichstrom möglich. Die Energie für den Lkw liefern leistungsfähige Lithium-Ionen-Batterien aus dem Volkswagen-Konzern. Diese sind unter dem Fahrerhaus über der Vorderachse angeordnet, wo bei herkömmlichen Fahrzeugen der Diesel-Antriebsstrang platziert ist. Weitere Batterien befinden sich am Fahrzeugrahmen. Die Bilanz nach dem ersten Wintereinsatz der elektrischen Fahrzeuge ist positiv: Die E-Streuer haben sich durchweg gut geschlagen!

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Besonderheiten während der Fahrt

Bei elektrisch angetriebenen Streufahrzeugen sind einige Dinge anders als bei den Fahrzeugen mit konventionellem Dieselmotor. Das Wichtigste: Bevor der Fahrer seine Tour überhaupt starten kann, muss er seinen Lkw von der Ladestation ausstecken und den ordnungsgemäßen Ladezustand der Batterie überprüfen. Die Fahrerkabine ist mit denselben Features ausgestattet wie ein normaler Lkw – von luftgefederten Sitzen bis zur Heizung lassen die elektrischen Lkw keine Bequemlichkeiten vermissen. Nebenaggregate wie Servolenkung, Luftkompressor oder Klimaanlage werden elektrisch betrieben und über das Energiemanagement bedarfsabhängig und damit energiesparend gesteuert. Die größte Besonderheit eines elektrisch angetriebenen Streufahrzeugs liegt aber wohl im Fahren. In Schub- und Bremsphasen wird die Bewegungsenergie des Fahrzeugs in elektrische Energie umgewandelt und in die Batteriespeicher zurückgeführt. Damit kann die Reichweite merklich erhöht werden. Eine Anzeige im Cockpit informiert über den aktuellen Energiehaushalt der Batterien.

Ein elektrischer MAN-TGM verteilt Salz auf einer Straße
Ein Lkw-Fahrer steht vor einem MAN eTGM

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Die Ausbildung der Fahrer

Der Lkw-Führerschein alleine reicht nicht, um sich bei Zuurmond hinter das Steuer eines elektrisch angetriebenen Streufahrzeugs zu setzen. Die Fahrer haben alle noch eine extra Schulung durch MAN ProfiDrive erhalten, die speziell auf die Anforderungen beim Fahren eines vollelektronischen Fahrzeuges ausgelegt ist. Dabei wird noch einmal im Detail darauf eingegangen, wie genau der Lkw geladen und wie er bei einem Unfall ordnungsgemäß gesichert wird. Diese Hürde nehmen Zuurmonds Mitarbeiter aber gerne in Kauf, um mit den elektrischen Riesen unterwegs sein zu dürfen. Vor allem die Ruhe während der Fahrt, ohne die immense Geräuschkulisse, die in einem herkömmlichen Lkw herrscht, loben seine Fahrer immer wieder. Denn der elektrische Riese kann alles, was ein konventioneller Streulastwagen auch kann und schont überdies die Umwelt.

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