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Städte müssen alternativen zum Auto anbieten

In Paris sind die Herausforderungen für die Mobilität noch drängender als in anderen wachsenden Städten. Doch mit einem klugen Verkehrskonzept hat die französische Hauptstadt die Lage entspannt. Urbanistik-Professor Steffen de Rudder erklärt, worauf dieser Erfolg beruht – er hat mit Bussen zu tun.

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Städte müssen alternativen zum Auto anbieten

In Paris sind die Herausforderungen für die Mobilität noch drängender als in anderen wachsenden Städten. Doch mit einem klugen Verkehrskonzept hat die französische Hauptstadt die Lage entspannt. Urbanistik-Professor Steffen de Rudder erklärt, worauf dieser Erfolg beruht – er hat mit Bussen zu tun.

Lesedauer [2 Min]

Steffen de Rudder

Der Professor lehrt Städtebau und Urbanistik an der Universität Weimar. In diesem Interview spricht er über die Pariser Mobilitätswende und attraktive Verkehrskonzepte mit Bussen.

Herr de Rudder, in Paris nutzen schon jetzt mehr Menschen Bus und Bahn als andernorts. Wie treibt die Bürgermeisterin Anne Hidalgo die Mobilitätswende weiter voran?

DE RUDDER Hidalgo hat Paris bekannt gemacht als Stadt der neuen Mobilität. Dafür nutzt sie Leuchtturm-Projekte wie zuletzt die Sperrung von Teilen des rechten Seine-Ufers für den Autoverkehr. Aber nur verbieten bringt nichts, der private Pkw-Verkehr verschwindet ja nicht einfach. Man muss auch gute Alternativen anbieten. Und das tut Paris, indem es Stadtentwicklung und Verkehrsinfrastruktur aufeinander abstimmt und den öffentlichen Nahverkehr ausbaut. Die Angebote müssen so attraktiv sein, dass Nutzer sie nicht ablehnen können.

Für neue U-Bahn- oder S-Bahn-Linien hat Paris zurzeit keine finanziellen Mittel. Wie kann der Einsatz von Bussen helfen?

DE RUDDER Mit U-Bahn und S-Bahn lassen sich große Menschenmassen bewegen, aber die notwendigen Netzwerke bedeuten Jahrhundertinvestitionen. Busse sind viel kostengünstiger und flexibler einzusetzen, sie sind perfekte Zubringer und Querverbinder.

Inwiefern kann Paris eine Modellstadt sein für andere europäische Städte?

DE RUDDER Keine andere europäische Stadt ist auch nur annähernd so dicht besiedelt wie Paris, und höchstens London hat noch eine ähnlich große Metropolregion zu bieten. Daher lässt sich das Verkehrskonzept von Paris nicht eins zu eins auf andere Städte übertragen. Was man aber von dort lernen kann: Mit einer klaren Vision und dem politischen Willen dahinter, ist die Verkehrswende zu schaffen.

Trotz aller Unterschiede: Stehen die Städte vor ähnlichen Problemen?

DE RUDDER In Paris sind die Probleme drängender als anderswo, aber die Herausforderungen gleichen sich: Viele europäische Städte wachsen, weil urbane Zentren zunehmend beliebt werden. Dadurch nimmt der Verkehr zu, und zwar auch der Lieferverkehr, vor allem ausgelöst vom Online-Versandhandel. Zugleich müssen die Städte immer strengere Vorgaben zum Klima- und Bevölkerungsschutz erfüllen. Diese beiden gegenläufigen Entwicklungen müssen sie unter einen Hut bekommen.

Interview Florian Sievers
Fotos Claus Bach

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