MAN Truck & Bus

Konnektivität - die Zukunft des Nutzfahrzeugs

Die Zukunft des Nutzfahrzeugs

15.06.2020

Konnektivität beflügelt: Datengesteuerte Mobilitätsdienste machen das Flottenmanagement für Trucks und Busse effizient wie nie. Sie ermöglichen perfekt abgestimmte Einsatzzeiten, Routen und Wartungen. Das reduziert die Betriebskosten. 80 Prozent aller Nutzfahrzeuge werden im Jahr 2030 vernetzt sein.

Flottenmanager optimieren die Logistik mithilfe der digitalen Echtzeit-Kontrolle über die Daten ihrer Fahrzeuge

Datenanalyse Mithilfe der digitalen Echtzeit-Kontrolle über die Daten ihrer Fahrzeuge können Flottenmanager die Logistik optimieren.

Mobilität im Wandel

Die Technik von Nutzfahrzeugen entwickelt sich rasant. Dank neuer Antriebstechnologien, digitaler Konzepte und intelligenter Vernetzung entstehen neue Fahrzeugkonzepte, neue Einsatzformen, ja sogar neue Geschäftsmodelle in der Nutzfahrzeugindustrie. Was steckt hinter Schlagworten wie „Technologischer Wandel“, „Alternative Antriebe“, „Digitalisierung“ oder „Automatisiertes Fahren“? Welche Auswirkungen hat dieser Wandel auf die Nutzfahrzeugindustrie in den nächsten Jahren? MAN beleuchtet die Fragen nach künftigen Energiequellen und Antriebskonzepten.

Die Nutzfahrzeugbranche verändert sich – unübersehbar. Neue Antriebstechnologien werden in den nächsten Jahren den über Jahrzehnte weiterentwickelten und millionenfach bewährten Dieselmotor nach und nach ersetzen. Algorithmen, Software und elektronische Systeme nehmen dem Fahrer immer mehr Aufgaben ab und sorgen so nicht nur für mehr Sicherheit, sondern auch für einen wirtschaftlicheren Betrieb von Lkw und Bussen. Allerdings – da sind sich Branchenkenner einig – wird es noch zehn oder mehr Jahre dauern, bis der Großteil der weltweiten Bus- und Lkw-Flotten mit alternativen Antrieben fahren und autonom fahrende Nutzfahrzeuge in großer Zahl über öffentliche Straßen rollen.

Auf der Überholspur rast derweil ein weiterer Trend heran, der nach Ansicht von Experten die Transport- und in der Folge auch die Nutzfahrzeugindustrie nachhaltig verändern wird: Digitalisierung und Konnektivität.

Daten sammeln ist die Basis für neue Anwendungen

Branchenfremde denken bei diesen beiden Begriffen häufig zuerst an Smartphones, WLAN und mobiles Internet – und liegen damit gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Denn mobile Endgeräte und ihre Fähigkeit, sich mit dem Internet zu verbinden und in Sekundenschnelle Daten mit Servern und andere Endgeräten auszutauschen, sind eine der Voraussetzungen für die neue digitale Technologie. Dabei müssen es nicht immer Smartphones sein. Auch der Bordrechner eines Lkw oder Busses kann über WLAN oder das Mobilfunknetz mit anderen Systemen kommunizieren, sich Daten besorgen oder im Fahrzeug gesammelte Daten versenden. Die revolutionäre EE-Architektur der neuen MAN Truck Generation wurde genau dafür entwickelt.

Elektronische Fahrzeugsysteme sammeln schon lange Daten aus dem Fahrbetrieb. Bislang bedurfte es meist eines Diagnosegeräts und einer physischen Verbindung in der Werkstatt, um beispielsweise Fehlermeldungen aus den Steuergeräten im Fahrzeug auszulesen. Heute lassen sich diese Daten über das Mobilfunknetz abrufen, damit beispielsweise bei einer Panne der Servicetechniker das passende Ersatzteil gleich mitnehmen kann und der Truck oder der Bus schneller wieder fahrfähig ist.

Dank Predictive Maintenance lassen sich Wartungen von Nutzfahrzeugen perfekt in die Logistik einplanen.

Timing ist alles Dank Predictive Maintenance lassen sich Wartungen von Nutzfahrzeugen perfekt in die Logistik einplanen.

Fehlermeldungen sind aber nur ein kleiner, um nicht zu sagen winziger Teil der verfügbaren Daten. In modernen Nutzfahrzeugen erfassen unzählige Radar-, Kamera-, Beschleunigungs-, Neigungs-, Bewegungs-, Druck- und Temperatursensoren ununterbrochen eine kaum vorstellbare Menge unterschiedlichster Informationen, die sich oft genug auch für andere als den ursprünglich angedachten Zweck verwenden lassen – wenn sie denn für andere Anwendungen zur Verfügung stehen.

Je mehr Anwender teilnehmen, desto größer der Nutzen

Ein Beispiel, das im Alltag vieler Menschen inzwischen eine festen Platz hat: die Verkehrsinformationen von Online-Kartendiensten. Die Server der Hightech-Riesen verwenden dafür die Bewegungsdaten aus Millionen von Smartphones. Algorithmen gleichen sie mit dem Netz von kartierten Straßen ab und errechnen minutengenau, wo der Verkehr läuft oder wo es sich staut. Und: Je mehr Anwender diesen Dienst nutzen, desto mehr Daten stehen zur Verfügung, desto genauer ist die Anzeige und desto höher ist der Nutzen für den einzelnen Anwender.

Nutzenorientierte Modelle mit Daten möglichst vieler Anwender liegen auch in der Nutzfahrzeugindustrie im Trend. Beispiel „Predictive Maintenance“, die vorausschauende Wartung, wie sie MAN Digital Services bereits heute unter dem Namen MAN Servicecare anbietet: Aus den Daten von hunderttausenden Fahrzeugen, aus dem Fahrprofil, der Fahrleistung, der Drehzahl, der Temperatur oder anderer Parameter, die per Mobilfunk aus dem Fahrzeug an den Server der zentralen Servicestelle übermittelt werden, errechnen Algorithmen die Lebensdauer bestimmter Komponenten im Fahrzeug und melden frühzeitig, wenn eine Reparatur oder ein Austausch fällig wird. Auf diese Weise lassen sich teure Pannen und ungeplante Ausfalltage vermeiden. Und auch hier gilt: Je mehr Flottenbetreiber diesen Dienst nutzen, desto besser ist die Qualität der Vorhersagen und desto größer ist der Nutzen für den einzelnen Anwender.

Glossar


Fehleranalyse per Notebook

Fehleranalyse per Notebook Algorithmen errechnen die Lebensdauer bestimmter Komponenten im Fahrzeug und melden frühzeitig, wenn ein Austausch fällig wird.

80 Prozent aller Nutzfahrzeuge werden im Jahr 2030 vernetzt sein.

Mobilitätsdienste bieten enormes Potential

Ähnliche Daten wie die vorausschauende Wartung lassen sich auch für das Flottenmanagement verwenden. Exakt aufeinander abgestimmte Einsatzzeiten lassen sich damit ebenso errechnen wie die ideale Fahrstrecke, optimierte Wartungsaufenthalte und selbstverständlich die Betriebskosten – bis auf den letzten Cent. Womit bereits die Basis gelegt ist für ein Geschäftsmodell, das Pay-per-Use genannt wird. Dabei kauft der Flottenbetreiber nicht mehr den Lkw oder den Bus. Er kauft vom Hersteller lediglich die Nutzung und bezahlt pro gefahrenem Kilometer oder Einsatzstunde. Auch hier liefern digitale Daten aus tausenden Anwendungen und die Vernetzung der Fahrzeuge die Grundlage.

Solche und ähnliche digitale Dienste, die für die Anwender von wirtschaftlichem Nutzen sind, werden nach Ansicht von Branchenexperten das Nutzfahrzeuggeschäft in den nächsten Jahren nachhaltig verändern. 80 Prozent aller Nutzfahrzeuge werden im Jahr 2030 vernetzt sein, so eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey – viel Potential für digitale Zusatzdienste. Potenzial, das Nutzfahrzeughersteller für sich nutzen können, wie das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group in einer aktuellen Studie feststellt. Denn während das klassische Kerngeschäft, der Verkauf von Lkw und Bussen, in den nächsten Jahren ein eher geringes Wachstum aufweisen wird, prognostizieren die Autoren für die erwähnten Mobilitätsdienste eine Verzehnfachung des Umsatzvolumens bis zum Jahr 2030.

Wandel nicht ohne Risiko

Und dabei sind noch längst nicht alle Potenziale der Digitalisierung und Konnektivität berücksichtigt. Unzählige datenbasierte Anwendungsmöglichkeiten bieten Raum für zusätzliche Geschäftsmodelle bei den Nutzfahrzeugherstellern. Jedoch nicht ohne Risiko, wie die Autoren der „Truck Study 2018“ des Beratungsunternehmens Strategy& feststellen. Denn als Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen, wie dem Pay-per-Use-Modell stünden die Hersteller künftig manchen Vermietern und Flottenbetreibern womöglich als Wettbewerber gegenüber und müssten gleichzeitig den Wettbewerb finanzstarker Tech-Unternehmen wie Uber, Google oder Nvidia fürchten. Wer dabei nicht unter die Räder kommen will, so das Fazit der Studie, muss sich frühzeitig seinen Platz unter den Anbietern digitaler und vernetzter Dienstleistungen sichern.