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Bus Rapid Transit: Forschungsprojekt in Budapest abgeschlossen - neue Systeme in Israel bauen auf MAN Chassis

Bus Rapid Transit: Forschungsprojekt in Budapest abgeschlossen - neue Systeme in Israel bauen auf MAN Chassis

Mit Bus Rapid Transit (BRT) Systemen können Städte ihre Verkehrsinfrastruktur für den öffentlichen Personen-Nahverkehr vergleichsweise einfach optimieren. In bestehenden Infrastrukturen sind BRT-Systeme oft der einzige Weg, um kurzfristig Beförderungskapazitäten erweitern zu können. MAN Truck & Bus entwickelt Lösungen für solche ÖPNV-Systeme: Aktuell wurde ein Forschungsprojekt in Budapest abgeschlossen; in Israel läuft aktuell der Aufbau zweier hochmoderner BRT-Systeme.

Forschungsprojekt EBSF: Praxistest eines passagierfluss-optimierten Gelenkbusses

Ende des Jahres 2011 hat MAN Truck & Bus den mehrmonatigen Praxistest eines fünftürigen Lion´s City GL BRT-Busses in Budapest abgeschlossen. Ziel des europäischen Forschungsprojektes „European Bus System of the Future“ (EBSF) ist es, weitere Erkenntnisse für die zukünftige Gestaltung effizienter, ökologischer und attraktiver Bussysteme in Städten zu gewinnen. Für den Anwendertest des Forschungsprojektes entwickelte MAN Truck & Bus einen individuell ausgestatteten Gelenkbus auf Basis des von MAN serienmäßig lieferbaren überlangen 18,75-Meter-Chassis. In Budapest nutzen täglich zwei Millionen Fahrgäste die Stadtbusse, zusammen mit Tram, Metro und S-Bahn bilden sie das Rückgrat des ÖPNV-Netzes. Der städtische Busbetreiber BKV betreibt eine Flotte von 1.365 Bussen, die 204 Linien bedienen.

BKV setzte den MAN Lion’s City GL auf einer innerstädtischen Linie mit besonders hohem Passagieraufkommen ein. Dieser Anforderung entsprechend konzipierte MAN den 18,75 Meter langen Gelenkbus so, dass auch bei hohen Passagierzahlen ein optimaler Fahrgastfluss und somit sehr kurze Haltezeiten gewährleistet sind. Der Lion’s City GL wurde dafür erstmals mit fünf breiten Einstiegstüren ausgestattet und der Innenraum mit kurzen Wegen für zeitsparendes und entspanntes Ein- und Aussteigen konzipiert. Im Vorderwagen bieten Klappsitze dem Fahrer die Möglichkeit, je nach Fahrgastaufkommen und Platzbedarf flexibel Sitzgelegenheiten anzubieten oder das Stehplatzangebot zu erweitern: In der Rush-Hour kann der Fahrer zwei längs montierte Klappsitzreihen im Zugangsbereich der vorderen Türen sperren, um mehr Stehplätze zu reservieren. Die Sitzarchitektur bietet 40 Sitz- und 118 Stehplätze, plus die sieben sperrbaren Klappsitze. Die flexible Aufteilung von Sitzplätzen und Stehplätzen wurde von den Fahrgästen im Test geschätzt, insbesondere weil der Bus damit in der Rush-Hour mehr Platz beispielsweise für Eltern mit Kinderwagen oder Fahrgäste mit Einkaufstrolleys bietet. In Zahlen bedeutet dies: Der MAN Fünftürer reduzierte die Zeit für das Aus- und Einsteigen beispielsweise bei 40 Fahrgästen von 26 auf 16 Sekunden. Verglichen wurde mit einem viertürigen Gelenkbus auf der gleichen Buslinie. Der Test zeigte auch: je größer die Passagierzahl, desto größer die Zeiteinsparung. Busse fahren in modernen BRT-Systemen mit Taktungen von wenigen Minuten Abstand in die Haltestellen ein. In der Rush-Hour können die Abstände sogar noch geringer sein. Dies verdeutlicht, wie wichtig der flüssige Ablauf an der Haltestelle ist.

Der Praxistest sollte auch Erkenntnisse darüber gewinnen, wie die Fahrgäste die Fahrt und das schnellere Ein- und Aussteigen in dem BRT-Bus empfinden. Dazu wurden 400 Passagiere interviewt. Die Fahrgäste schätzten beim MAN-Fünftürer den kürzeren Weg zur nächsten geöffneten Tür und die spürbar bessere Verteilung der Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen in der Rush-Hour. Besonders positiv bewertet wurden die helle und freundliche Atmosphäre des Busses, die Raumaufteilung, der Sitzkomfort sowie das niedrige Fahrgeräusch und die Temperatur im Innenraum. Die besondere Raumwirkung des Gelenkbusses wird durch den lichtdurchlässigen Faltenbalg des Gelenkbusses geprägt. Dies, sowie die klare Anordnung und Erkennbarkeit der Haltestangen wurden von den Passagieren als Highlights genannt.

Der Bus ist mit einer innovativen Beleuchtung an der Innendecke ausgestattet: Vier Lichtleisten mit über 1.500 LEDs (energiesparende Leuchtdioden) beleuchten den Innenraum und sorgen für eine gleichmäßige und freundliche Ausleuchtung. Zwei besonders helle, reinweiße LED-Leisten in der Dachmitte erzeugen die Grundhelligkeit im Fahrzeug. Zwei weitere, über die gesamte Wagenlänge laufende LED-Leuchtenbänder können definierte Farbtöne erzeugen und hinterleuchten Deckenelemente aus teiltransparentem Polycarbonat, welche vollflächig den Farbton annehmen. So kann je nach Wetter- oder Lichtsituation mit kühleren oder wärmeren Farbtönen eine angenehme Atmosphäre im Bus erzeugt werden.

Der Antrieb des Busses, ein liegender MAN D2066 320 PS EEV-Motor mit 4-Gang-Automatikgetriebe, Sensotop-Steuerung und integriertem Retarder, begeisterte Fahrer und Betreiber mit seiner Fahrdynamik. Insbesondere wurden die mühelose Beschleunigung des vollbesetzten Busses, die Kraftstoffeffizienz, die Lenkpräzision und das niedrige Fahrgeräusch-Niveau hervorgehoben. Der zweistufig aufgeladene Common-Rail-Diesel bietet ein maximales Drehmoment von 1.600 Nm bei 1.000 bis 1.400 U/min. Ebenfalls wurde die sorgfältige Konstruktion mit guter Zugänglichkeit aller zu wartenden Komponenten betont. Der Fünftürer bewies im Test eine hohe Zuverlässigkeit, der Busbetreiber ermittelte während des ersten Halbjahres eine Verfügbarkeit von 98,5 Prozent.

MAN hat in dem neunmonatigen Test in Budapest auch neue Technologien erforscht, mit denen sich in künftigen BRT-Systemen der Verkehr effizienter regeln lässt: Der Gelenkbus wurde an allen fünf Türen mit einer 3D-Infrarot-Fahrgastzählanlage ausgestattet. So kann der Bus an die Verkehrsleitstelle übermitteln, wie stark besetzt er ist. Diese ist damit in der Lage, Bussen, die mit vielen Fahrgästen unterwegs sind, automatisch Vorrang vor weniger ausgelasteten Bussen zu gewähren. Die Personen-Zählanlage kann die Anzahl der Fahrgäste präzise ermitteln und erreichte im Test eine Genauigkeit von 96,9 Prozent.

BRT-Systeme „Metronit“ und „Red Line“ in Haifa und Tel Aviv: Futuristische Busse mit effizientem MAN Chassis.

In den Metropolen Haifa und Tel Aviv werden derzeit hochmoderne BRT-Systeme eingerichtet. Die Busse fahren teils auf separaten Spuren - an diesen wird noch gebaut, die ersten Busse sind bereits fertig gestellt. MAN Truck & Bus liefert 172 Gelenkbus-Chassis mit EEV-Motoren für die beiden „Metronit“ und „Red Line“ genannten Netze. Die Busse in futuristischem Design sind vollständig niederflurig.

Die „DAN Society for Public Transport“, einer der größten Busbetreiber in Israel, hat in Haifa unlängst den ersten von 172 Bussen vorgestellt, die künftig das Rückgrat des hochmodernen Bus Rapid Transit Systems (BRT) in den Großstädten Haifa und Tel Aviv bilden. MAN Truck & Bus liefert dafür dreiachsige Niederflur-Gelenkbus-Chassis mit 360 PS Common-Rail Dieselmotoren, die den derzeit strengsten Abgasstandard EEV erfüllen (Enhanced Environmentally Friendly Vehicle). Den futuristischen Aufbau der Busse, die mit einer leistungsfähigen Heißland-Klimaanlage ausgestattet werden, fertigt der Aufbauhersteller Ha´argaz lokal in Israel.

Michael Nagar, Chairman of the Board des Verkehrsunternehmens DAN, setzt neben besonders abgassauberen Motoren auf separate Busspuren und ein besonderes Produktdesign: „Die neuen Busnetze ´Metronit´ in Haifa und ´Red Line´ in Tel Aviv bieten die Möglichkeit, in diesen gewachsenen Metropolen in kurzer Zeit ein hochmodernes Verkehrssystem einzuführen. Das zukunftsbetonte Design der Busse vermittelt nach außen, dass wir innovative Ideen für den öffentlichen Nahverkehr in die Realität umsetzen.“

Die Besonderheit der von MAN gelieferten Bus-Chassis ist die Kombination eines durchgängigen Niederflurbodens mit einer Fahrzeuglänge von 18,75 Metern und vier Doppeltüren. Die Niederflur-Ausführung ermöglicht zeitsparendes Ein- und Aussteigen der Fahrgäste, ein wichtiges Merkmal eines effizienten BRT-Systems.

Der Umweltstandard EEV unterschreitet die derzeit in Europa geltende Euro 5 Norm in der Partikelemission deutlich. Die EEV-Dieselmotoren von MAN erfüllen diese Abgaswerte ohne den Zusatzstoff AdBlue®, müssen also nur mit Diesel betankt werden.

MAN-Kompetenz: Bus Rapid Transit Systeme

Bus Rapid Transit Systeme lassen sich vergleichsweise leicht in gegebene städtische Strukturen integrieren. Sie bieten die Möglichkeit, die Verkehrsinfrastruktur von Städten zu modernisieren, ohne beispielsweise umfangreiche Tiefbaumaßnahmen für Untergrundbahnen umsetzen zu müssen. Damit sind sie, bezogen auf die Gesamt-CO2-Bilanz, bei weitem die effizientesten Nahverkehrs-Systeme. Dies bezieht den Bau der Verkehrsinfrastruktur, die Herstellung des Verkehrsmittels und die eigentliche Personenbeförderung ein. BRT-Systeme bieten zudem eine hohe Sicherheit dafür, dass die Fahrgäste pünktlich ans Ziel kommen: Busse können bei unvorhergesehenen Ereignissen auf der Strecke, beispielsweise einer Fahrbahnsperrung, flexibel ausweichen.

Basis eines BRT-Systems sind moderne Stadtbusse mit hoher Fahrgast-Kapazität und optimierter Innenraumgestaltung für reibungslosen Passagierfluss. Weitere mögliche Merkmale sind separate Fahrspuren und Plattform-Haltestellen auf denen der Ticket-Verkauf und die automatische Zugangskontrolle stattfindet – also außerhalb des Busses, um den Passagierfluss zu optimieren. BRT-Systeme bieten außerdem intelligentes Verkehrsmanagement, beispielsweise durch Übertragung der aktuellen Position der Busse oder Priorisierung an Ampelkreuzungen.

Das breit gefächerte Portfolio an Bus-Chassis und Komplettbussen von MAN bildet eine ausgezeichnete Basis für BRT-Systeme. Hinzu kommt die anerkannte MAN Kompetenz, individuelle Fahrzeuglösungen mit der Zuverlässigkeit eines Großserienherstellers anbieten zu können. In mehreren Städten Chinas verkehren in MAN / NEOPLAN-Lizenz gefertigte Busse auf BRT-Strecken. In Dubai und Abu Dhabi befördern Busse von MAN / NEOPLAN auf teilweise exklusiven Busspuren tagtäglich tausende Menschen schnell und reibungslos zu ihren Zielen – hier sorgt MAN mit seinen Service-Partnern zudem für eine wirtschaftliche Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der Fahrzeuge.