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Der zehnte Streich

Antonio Albacete wurde in Jarama der 10. Truck Race Europameister auf MAN

Beim Rennen in Le Mans vorzeitig alle Eventualitäten ausschließen – oder doch den Titelgewinn vor den eigenen spanischen Fans perfekt machen? In Antonio Albacetes Cepsa-Team war man sich kurz vor Saisonende nicht sicher, welcher Variante man den Vorzug geben sollte. Es wurde schließlich die emotionalere der beiden Möglichkeiten. In Le Mans reichte es nach dem fünften Rang im abschließenden Lauf denkbar knapp noch nicht zum vorzeitigen Gewinn der FIA European Truck Racing Championship 2010. Doch nach dem ersten Championshiprennen auf Spaniens ältestem Motodrom in Jarama unweit der Hauptstadt Madrid war Antonio Albacete am Ziel seiner Träume: Der Motorsportprofi machte vor seinen begeisterten Fans seinen dritten Titelgewinn nach 2005 und 2006 perfekt. Für MAN bedeutete der Erfolg zugleich ein kleines Jubiläum: Es war der zehnte Europameistertitel, den MAN-Piloten erringen konnten. Neben Albacete fuhren Fritz Kreutzpointner (1999 und 2001), Noel Crozier (2000), Lutz Bernau (2001 und 2003), Egon Allgäuer (2002) sowie Stuart Oliver (2004) auf MAN zum EM-Titel.

Während der neue Europameister schon nach dem ersten Rennen jubeln durfte, musste sein deutscher Markenkollege Jochen Hahn im ersten Zeittraining einen herben Rückschlag hinnehmen: Wegen eines Problems mit dem GPS-Gerät funktionierte sein Geschwindigkeitsbegrenzer nicht, die Folge war ein Streichresultat für den „MAN in black“, letztlich war damit eine Vorentscheidung im Kampf um Platz zwei der Gesamtwertung gefallen. Hahns härtester Konkurrenten Markus Bösiger gewann den Lauf. Doch den Punktevorsprung konnte Hahn auch mit einem Sieg im zweiten Rennen (der nur mit 10 Punkten honoriert wird) nicht mehr aufholen.

Albacetes Gewinn der Europameisterschaft fiel deutlicher aus, als das zu erwarten war. Basis des Erfolgs war neben der Routine des dreimaligen Champions vor allem die Zuverlässigkeit des MAN: Der wie in den Vorjahren von Lutz Bernau und seiner Crew mustergültig aufgebaute und gewartete MAN TGS 18.420 kam in allen 35 Championshiprennen der Saison 2010 ins Ziel. Und nicht nur das: Als einziger der Top-Five-Fahrer punktete der Spanier in allen Rennen. Schon nach seinem Galaauftritt beim zweiten Rennen im spanischen Albacete übernahm der Topfavorit die Führung in der Gesamtwertung. Vor dem Finale in Jarama hatte er sich einen nur noch theoretisch einholbaren Vorsprung von 57 Punkten erarbeitet. Der frisch gebackene Titelträger kann noch einen weiteren Saisonrekord für sich in Anspruch nehmen: Beim Rennwochenende in Albacete erkämpfte er sich in vier Rennen drei Siege und einen zweiten Platz – eine Leistung, die in diesem Jahr keiner der Konkurrenten auch nur annähernd erreichte.

Ungefähr zur Saisonmitte kristallisierten sich zwei Anwärter auf den Vizetitel heraus. Jochen Hahn auf MAN wollte sich im Vergleich zum Vorjahr noch einmal verbessern. Sein Kontrahent Markus Bösiger stellte immer wieder das Potential der Renault-Renntrucks unter Beweis, die vom neu formierten MKR-Team ins Rennen geschickt wurden. Ein Team, das in seiner Konstellation eine große Bereicherung für den Truck Sport darstellt. Mit Renault hat ein weiterer Hersteller deutlich Flagge gezeigt und engagiert sich in ähnlicher Form wie MAN in der seriennahen Race Class.

Mit Chris Levett sowie Adam Lacko und Alexander Lvov, den beiden Piloten des Truck Race Team Allgäuer, rangieren in der Abschlusstabelle der Saison 2010 drei weitere MAN-Fahrer in den Top Ten. Levett, der ebenso wie Albacete mit einem von Lutz Bernau gebauten MAN antritt, stellte seine Leistungsfähigkeit sogar mit mehreren eindrucksvollen Siegen unter Beweis.

Neben den Top-Teams engagierten sich zahlreiche weitere Fahrer mit MAN-Renntrucks im Wettbewerb um die europäische Krone im Trucksport. Javier Mariezcurrena, Jeremy Robineau, Jean-Pierre Blaise sowie Jose Bermejo bestritten alle Rennen bzw. den Großteil der Saison. Vom bekannten portugiesischen Gespann, bestehend aus Vater und Sohn Rodrigues, nötigte vor allem Junior Jose den Gegnern wieder viel Respekt ab – trotz unterlegenem Material schlug sich der iberische Truck Racer beachtlich und landete einige Male in den Punkterängen. In der zweiten Saisonhälfte bekam zudem die schwarz lackierte MAN-Flotte Verstärkung: Der mehrfache finnische Champion Mika Makinen mietete den Hahn-Truck des Vorjahres und fuhr erstmals im internationalen Wettbewerb mit. Große Betroffenheit löste der Unfalltod des sympathischen ungarischen Motorsportlers Balazs Szobi aus, der kurz nach dem Rennen in Nogaro beim Absturz eines Kleinflugzeugs ums Leben kam und für den Rest der Saison von Zoltan Birnbauer ersetzt wurde.

Das bewährte Konzept der Rennserie erwies sich auch in der abgelaufenen Saison wieder als Erfolgsmodell. Vor allem die größten Rennen, der Truck Grand Prix auf dem Nürburgring sowie die 24 Heures Camions in Le Mans verzeichneten gegenüber den Vorjahren ein gesteigertes Zuschauerinteresse. Die Termine in Misano und Zolder haben sich zu veritablen Trucker-Festen entwickelt. Wobei die belgischen Organisatoren diesmal Pech mit dem Wetter hatten und die Besucherzahlen daher unter den Erwartungen blieben. Zudem schrieben die Truck Racer in der Saison 2010 Motorsportgeschichte: Mit der Truck Battle Russia auf dem neuen Circuit in der Nähe der russischen Stadt Smolensk wurde zum ersten Mal ein Rundstreckenrennen unter dem Patronat der FIA in Russland ausgetragen. Auch im Fernsehen stößt die TV-Berichterstattung über TruckRacing auf zunehmendes Interesse. In 125 Ländern wurden Berichte gesendet.

Jochen Hahn: Der Deutsche wurde Dritter in der Gesamtwertung.

Unterwegs zum dritten Titel: Antonio Albacete im Cepsa-MAN

Umjubelter Star in der MAN Power Station: Der dreifache Champion Albacete

Umjubelter Star in der MAN Power Station: Der dreifache Champion Albacete

Blue is beautiful: Der Brite Chris Levett im auffälligen MAN