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MAN setzt auf Erdgas

„Power to Gas“ als eine Alternative zu neuen Stromtrassen

Der Bau einer neuen Nord-Süd-Stromtrasse in Deutschland wird intensiv diskutiert.

„Vor diesem Hintergrund stellen wir uns, wie viele andere Menschen auch, die Frage, ob dieser Ausbau des Stromnetzes wirklich alternativlos ist“, sagt Dr. Georg Pachta-Reyhofen, Vorstandssprecher der MAN SE. „Es gibt aus unserer Sicht Verfahren, mit denen man deutlich rascher, kostengünstiger und wahrscheinlich ohne Proteste zum Ziel kommt.“

MAN präferiert das Verfahren „Power to Gas“. Damit ist die Umwandlung überschüssigen Stroms in synthetisches Erdgas unter Ausnutzung der bestehenden Erdgas-Infrastruktur gemeint. Erdgas kann direkt zum Gebrauch in Wohnungen oder zum Antrieb von Fahrzeugen genutzt werden. Alternativ ist auch die Rückwandlung in Strom mit Hilfe von Gaskraftwerken möglich. „Power to Gas“ ist eine Systemlösung, um große Mengen Strom, die aus erneuerbaren Energien produziert werden, langfristig zu speichern und an beliebigen Orten ohne Anbindung an Hochspannungsstromtrassen wieder verfügbar zu machen.

MAN bietet beim Erdgas über die gesamte Prozesskette hinweg innovative Serienprodukte an. So leisten zum Beispiel MAN-Gasmotoren einen Beitrag zur dezentralen Energieversorgung, insbesondere als Backup im Rahmen der Stromerzeugung aus Wind und Sonne. Blockheizkraftwerke können mit MAN-Erdgasmotoren Energie erzeugen. Mit Wirkungsgraden von bis zu 90 Prozent ist die Effizienz der Blockheizkraftwerke höher als die Effizienz herkömmlicher Großkraftwerke, die bei der Stromerzeugung im Schnitt lediglich rund 40 Prozent Wirkungsgrad erzielen. Das Geschäft mit Erdgasantrieben für Blockheizkraftwerke im Leistungsspektrum von 37 bis 550 Kilowatt ist für MAN das umsatzstärkste und profitabelste Segment im Bereich des externen Motorengeschäfts.

Auch die MAN-Turbinentechnik hilft bei der Energiewende. So liefert die Sechs-Megawatt-Gasturbine von MAN genügend Energie, um etwa alle Fernseher einer Großstadt zeitgleich in Betrieb zu halten. Dabei ist diese Turbine so kompakt gebaut, dass sie bereits in eine Doppelgarage passt – was sie flexibel einsetzbar macht: als Kleinkraftwerk vor Ort oder auf entlegenen Ölplattformen. Für die Solvin GmbH & Co KG, ein Gemeinschaftsunternehmen von Solvay und BASF, ist die erste kommerzielle Anlage mit der neuen Gasturbinen-Generation von MAN seit Herbst 2013 in Betrieb. Sie produziert in Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) sowohl Strom als auch Wärme – und nutzt dabei den Energiegehalt des eingesetzten Erdgases zu über 80 Prozent aus.

Mit so genannten CNG/Biogas-Antrieben bietet MAN auch saubere Mobilitätslösungen für den Stadtverkehr an. Busse, die mit Compressed Natural Gas (CNG) betrieben werden, sind extrem schadstoffarm, klimafreundlich und wirtschaftlich zugleich. Mit Biogas betankt, können die Busse darüber hinaus annähernd CO2-neutral betrieben werden. MAN ist Marktführer in diesem Bereich: Inzwischen wurden mehr als 5 000 Busse und Chassis mit CNG-Motoren ausgeliefert, die ein Leistungsspektrum in fünf Stufen von 220 bis 310 PS abdecken. Selbst ohne den Einsatz von Biogas ist die CO2-Emission bei CNG-Antrieben noch um rund 17 Prozent geringer als bei Dieselfahrzeugen.

Motoren, die Flüssigerdgas als Treibstoff nutzen können, werden für Seeschiffe immer interessanter: Diese Antriebe emittieren deutlich weniger Kohlendioxid und Stickoxide als herkömmliche Motoren, die Marinediesel oder Schweröl verbrennen. Für zwei neue Standardcontainer-Schiffe setzt die US-amerikanische Reederei TOTE Inc. künftig deshalb auf Zweistoffmotoren mit Gaseinspritzung von MAN. Diese beiden Containerschiffe werden die umweltfreundlichsten der Welt sein, da sie als erste hauptsächlich mit Flüssigerdgas betrieben werden.

Darüber hinaus ist MAN auch in der Erdgasförderung aktiv – z.B. mit Hilfe von Unterwasserkompressoren. So hat der Konzern den weltweit ersten Subsea-Verdichter entwickelt. Das sind Spezialkompressoren, die das Gas bereits am Meeresgrund verdichten und transportfähig in Pipelines leiten: ein Meilenstein für die gesamte Gas- und Ölindustrie. Denn damit können bislang unrentable Vorkommen problemlos und sicher erschlossen werden.

„Technische Spitzenlösungen rund um das Thema Erdgas sind unsere Kernkompetenz“, sagt MAN SE-Vorstandssprecher Dr. Pachta-Reyhofen. „Angesichts der bestehenden Alternativen sollte man sehr genau prüfen, ob Deutschlands Bürgern wirklich der massenhafte Ausbau von Stromtrassen zugemutet werden muss.“