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Neue Märkte für MAN CNG-Busse

Neue Märkte für MAN CNG-Busse

  • Neue Rechtslenker-Familie für den Markt in Großbritannien
  • Markteinführung des MAN Lion´s City CNG in Russland

Erdgas als besonders saubere Energiequelle für Busse ist in vielen Märkten weltweit bereits seit vielen Jahren etabliert. Die Erfahrung von MAN mit CNG-Bussen läßt sich in Millionen Kilometern und Jahrzehnten messen. Großbritannien und Russland sind neue CNG-relevante Märkte und zeigen aktuell großes Interesse: es ist absehbar, dass dort die Erdgastechnologie künftig deutlich stärker eingesetzt wird als bisher. Auch in Rohöl fördernden Ländern im mittleren Osten wird das vorhandene Erdgas mehr und mehr als Fahrzeugkraftstoff genutzt. MAN Truck & Bus bietet für alle diese Märkte Erdgas-Busse mit genau passenden Produkteigenschaften.

MAN EcoCity Familie startet in Großbritannien

Auf dem Rechtslenker-Markt Großbritannien ist das Interesse an CO2 senkenden Antrieben für Stadtbusse hoch. MAN hat mit dem portugiesischen Aufbauhersteller Caetano nach erfolgreichen Markttests ein exakt passendes, rechtsgelenktes Fahrzeug für diesen Markt entwickelt: den MAN EcoCity. Das erste Modell der Familie – die Niederflur-Variante – ist seit November 2011 auf dem Markt. Derzeit sind zwei Vorführfahrzeuge im Linieneinsatz in Reading, westlich von London, sowie in Oxford. Vorführ-Einsätze bei weiteren großen Busbetreibern sind für die folgenden Monate bereits eingeplant. MAN ergänzt den EcoCity zu den BusDays im März 2012 um eine Low-Entry-Variante.

Im Antriebsstrang kommt der bewährte MAN E2876 EEV-Motor zum Einsatz, er bietet mit 12,8 Litern Hubraum und 272 PS souveränen Vortrieb für den 12-Meter-Bus mit 40 Sitzen (+2 Klappsitze). Vier Erdgastanks mit 1.176 Litern Kapazität sorgen für Reichweite. Effiziente Übertragung der Kraft auf die Straße gewährleisten die Automatgetriebe von ZF und Voith mit jeweils integriertem Retarder. Der Aufbau besteht aus einer Gewicht reduzierenden Aluminiumkonstruktion mit speziell entwickelten C-förmigen Profilen und Aluminium-Beplankung. An Bug und Heck verstärkt ein Stahlgerippe den Aufbau, dieser ist nach der ECE 66-Sicherheitsnorm zertifiziert. Durch den modularen Aufbau des Busses lassen sich verschiedene Längen einfach realisieren. Der Innenraum wird energiesparend mit LEDs beleuchtet, die Verglasung ist eingeklebt. Dies verleiht dem MAN EcoCity eine helles und geräumiges Raumgefühl.

Wirtschaftlich zahlt sich der Einsatz von CNG-Bussen unter Berücksichtigung der Energiekosten in Großbritannien in kurzer Zeit aus: Die Betriebskosten liegen rund 30 Prozent unter denen eines Dieselbusses. Verlässlichkeit ist ein hohes Gut für Kommunen, die Investitionen planen. In dieser Hinsicht bieten CNG-Busse von MAN eine hohe Zukunftssicherheit. Der Gaspreis ist gegenüber anderen Kraftstoffpreisen so stabil, dass der Energielieferant fünfjährige Verträge mit Preisbindung anbieten kann.

Eine wichtige Rolle auf dem Markt in Großbritannien spielt die Erschließung der Erdgasversorung. Das Konsortium „Gas Bus Alliance“ (GBA) hat sich darauf spezialisiert, für Busbetreiber die Gas-Infrastruktur zu erschließen und damit die Verbreitung von Fahrzeug-Gastankstellen voranzutreiben. GBA installiert die Tankanlage und die Gasaufbereitung vor Ort, typischerweise auf dem Betriebshof des Busbetreibers, und übernimmt auf Wunsch auch deren Finanzierung, Betrieb und Wartung. Die Gasaufbereitung ist ein Schlüsselfaktor für hundertprozentige Betriebssicherheit, da in Großbritannien die Gasqualität schwankt und der ins Netz eingespeiste Biogas-Anteil stark wächst. Der steigende Biogas-Anteil bedeutet auch, dass die Betreiber ihre CO2-Emissionen deutlich senken können.

„Blue Corridor 2011“: Langstreckenrallye zum Marktstart in Russland

Russland erlebte im Oktober und November 2011 die Markteinführung des MAN Lion´s City CNG in außergewöhnlichem Rahmen: Auf der „Blue Corridor 2011 East“, einer über 3.570 Kilometer durch 11 russische Städte und über das Uralgebirge führenden Langstreckentour, repräsentierte der MAN Lion´s City CNG als Niederflurbus die Zuverlässigkeit der Erdgastechnologie in dieser Fahrzeugklasse. Russland verfügt über weitreichende Erdgasvorkommen und ist deshalb prädestiniert als Erdgasmarkt, rund 50 Prozent des Primärenergiebedarfs wird über diese Energiequelle abgedeckt.

In ganz Russland sind derzeit rund 90.000 Gasfahrzeuge unterwegs, einschließlich Busse, Pkw und Lkw. Rund 250 CNG-Tankstellen gibt es innerhalb der Russischen Föderation. Ins Leben gerufen wurde die Blue Corridor Tour mit Start in Jekaterinenburg und Ziel in Moskau zur Bekanntmachung der Erdgastechnologie als umweltfreundlicher und kostengünstiger Fahrzeug-Kraftstoff. Das Tankstellen-Netz soll entsprechend ausgebaut werden, und das Interesse der Kommunen an CNG-Bussen ist hoch: Nach der Ankunft in Moskau übergab MAN den Bus an die 500.000-Einwohner-Stadt Tomsk in Westsibirien als Feldtestfahrzeug. Dort herrschen harte Winterbedingungen mit Temperaturen bis -40° Celsius.

MAN Lion’s City CNG in Heißlandausführung

Viele Länder der Region Middle-East, in denen Rohöl gefördert wird, entwickeln sich zu Märkten für CNG-Busse. Das bei der Rohölförderung entstehende Erdgas wird dort zunehmend erschlossen und als Kraftstoff eingesetzt. MAN bietet den Lion’s City CNG deshalb in einer so genannten Heißlandausführung an.

Der helle und freundliche Innenraum des Lion’s City wird dank Tropenklimaanlage mit maximal 44 kW Kühlleistung stets auf einer für die Passagiere angenehm empfundenen Temperatur gehalten. Luftvorhänge an den Türen verhindern das Eindringen heißer Umgebungsluft beim Ein- und Aussteigen an den Haltestellen – ein System, dass sich bereits bei den mehr als 800 Bussen von MAN Truck & Bus bestens bewährt hat, die in Dubai und Abu Dhabi im Linienverkehr zum Einsatz kommen.

Diese Version wird von einem 228 kW (310 PS) leistenden Sechszylinder-Erdgasmotor mit Turboaufladung angetrieben, der den derzeit strengsten Emissionsstandard EEV deutlich unterschreitet und insbesondere bei den Stickoxiden (NOx) und Partikeln niedrigste Abgaswerte aufweist. Für einen zuverlässigen Betrieb bei hohen Staubbelastungen und Außentemperaturen sorgen Heißland-Applikationen wie zum Beispiel ein Vorzyklon in der Luftansaugung. Die Leistung des Erdgasmotors wird über ein automatisches Sechs-Gang-Schaltgetriebe mit Intarder an die Antriebsachse geleitet. Die Getriebe-Software erkennt Steigungen und Gefälle und passt die Schaltpunkte entsprechend an. Das trägt zu einer Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs bei.

Das Erdgas wird in insgesamt acht Alukomposit-Druckgasflaschen (200 bar Nenndruck) mit jeweils 214 Liter Volumen (1712 Liter gesamt) mitgeführt, die sich unter einer formschönen Dachhaube verbergen. Diese ist für gute Zugänglichkeit beidseitig aufklappbar. Das Speichervolumen ist für den typischen innerstädtischen Bedarf ausgelegt – so kann der unkomplizierte Tankvorgang abends oder nachts im Depot stattfinden. Alternative Flaschenpakete sind auf Wunsch lieferbar.

Erd- und Biogas – Der MAN Lion’s City CNG nutzt alternative Kraftstoffe auf höchst effiziente Weise

Auf knapp 190 Billionen Kubikmeter werden die sicher gewinnbaren weltweiten Erdgasreserven geschätzt – das entspricht bei einer Fördermenge auf heutigem Niveau einer Reichweite von mindestens 60 Jahren. Addiert man die Erdgasressourcen (das sind solche Erdgasvorkommen, die noch nicht bzw. nur mit hohem Aufwand gefördert werden können) ergibt sich eine Reichweite von rund 130 Jahren. Mit mehr als 75 Billionen Kubikmeter sind die größten Erdgasvorkommen im Mittleren und Nahen Osten nachgewiesen – gefolgt von Osteuropa / GUS (62 Billionen), Nord-, Mittel- und Südamerika (17), Fernost/Pazifik (15) und Afrika (14). Versorgungssicherheit und Verbrennungseigenschaften sprechen für Erdgas als alternative Energie für stationäre und mobile Anwendungen – dies erkennen mehr und mehr Länder rund um den Globus. So hatten beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate bereits vor Jahren beschlossen, dass Erdgas bis zum Jahr 2012 rund 20 Prozent des gesamten im Straßenverkehr verbrauchten Kraftstoffs ausmachen soll.

Erdgas gilt als umweltfreundliche Primärenergie. Gewinnung, Reinigung und Transport des kohlenstoffärmsten fossilen Energieträgers benötigen vergleichsweise wenig Energie. Der spezifische Treibhausgasausstoß von Erdgas liegt bezogen auf die Energieeinheit Megajoule und über die gesamte Bereitstellungskette – also von der Quelle bis zum Tank – betrachtet bei rund 65 Gramm und damit kraftstoffseitig um knapp ein Viertel niedriger als bei Diesel. Zwar wird dieser Vorteil durch den niedrigeren Wirkungsgrad des Erdgasmotors gegenüber einem Dieselmotor sowie durch das zusätzliche Gewicht des Kraftstoffspeichers teilweise aufgehoben, dennoch weist Erdgas die höchste CO2-Effizienz bei der „well-to-wheel“-Betrachtung im Vergleich mit anderen fossilen Kraftstoffen auf.

Nahezu CO2-neutral können CNG-Busse mit Hilfe von Bioerdgas betrieben werden. Das Biogas, das bei der Vergärung organischer Stoffe wie zum Beispiel Grünabfälle, Speisereste oder Gülle entsteht, wird durch ein spezielles Aufbereitungsverfahren auf Erdgas-Qualität angehoben und kann anschließend problemlos und ohne weitere technische Umrüstungen in den serienmäßigen Erdgas-Motoren sauber verbrannt werden.

Aufgrund seiner Eigenschaften verbrennt Erdgas im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen außerdem sehr sauber und sorgt damit für geringe Motor-Rohemissionen bei den Luftschadstoffen Kohlenmonoxid (- 50 % CO), Kohlenwasserstoffe (-80% HC), Stickoxide (-70% NOx) und Partikel (bis -99% gegenüber Diesel ohne Partikelfilter). Dies machen sich Erdgas-Busse von MAN zu Nutze, die bereits seit mehreren Jahren ohne aufwendige Abgasnachbehandlung den aktuell strengsten Emissionsstandard (EEV = Enhanced Environmentally Friendly Vehicle) in der EU deutlich unterschreiten. Erdgas-Busse sind zudem tendenziell leiser als ihre Pendants mit Diesel-Antrieb, was seinen Grund in der Verbrennung des Erdgases nach dem Ottomotor-Prinzip hat.

Langjährige Erfahrungen mit CNG-Antrieben zahlen sich aus

MAN Truck & Bus kann auf eine vieljährige Erfahrung mit Erdgas-Bussen verweisen: Bereits 1972 brachten MAN Busse mit Erdgas-Motor Athleten und Besucher der Olympischen Spiele zu den Spielstätten in München und Umgebung. 20 Jahre später feierte der MAN SL 202 mit CNG-Antrieb seine Premiere, 2003 lieferte MAN die ersten Erdgas-Busse in EEV-Ausführung an Kunden aus. Mittlerweile hat MAN mehr als 5.000 Erdgas-Busse und Bus-Chassis mit Erdgas-Motor ausgeliefert. Hauptmärkte für Erdgas-Busse und -Bus-Motore sind die Niederlande, Türkei, Deutschland, Schweden, Australien, Österreich, Portugal, Iran und Spanien. Der MAN-Anteil am Markt für Erdgas-Busse in Europa lag im Durchschnitt der vergangenen acht Jahre bei mehr als 44 Prozent, in den Jahren 2007 bis 2009 sogar bei über 50 Prozent.

Basis dieses Erfolgs sind die modernen Erdgas-Motoren aus dem Hause MAN. Für die Anwendungen in Bussen und Bus-Chassis stehen aktuell zwei Motorenbaureihen (E08 und E28) zur Verfügung, die ein Leistungsspektrum in fünf Stufen von 162 kW (220 PS) bis 228 kW (310 PS) abdecken. Der MAN E0836 LOH 01 Erdgasmotor mit 6,9 Liter Hubraum und Turboaufladung wird in drei Leistungsstufen 162 kW (220 PS), 184 kW (250 PS) und 206 kW (280 PS) angeboten, die jeweils bei 2.200 U/min erreicht werden. Dank seines günstigen Leistungsgewichts – trocken bringt der Motor lediglich 650 Kilogramm auf die Waage – ist der E08-Motor beispielsweise für Busse in Einsatzgebieten mit ebener Topographie beziehungsweise in kompakten Bussen (Midi) besonders geeignet. Aktuell bietet MAN den E08 Erdgasmotor ausschließlich externen Busherstellern an.

Wo mehr Leistung und Drehmoment gefordert sind, ist der 12,8 Liter große OBD2-ermächtigte MAN E2876 LUH Erdgas-Turbomotor gefragt, der in zwei Leistungsstufen 200 und 228 kW (272 bzw. 310 PS) erhältlich ist und serienmäßig in den MAN Erdgasbussen Dienst tut.

Das fein abgestufte Erdgasmotoren-Portfolio findet seine Entsprechung in einem Komplettbus-Angebot von MAN, das kaum Kompromisse zulässt: Für beinahe alle Typen der modernen Niederflur Stadtbus-Generation Lion’s City sowie der davon abgeleiteten neuen Low Entry-Varianten – vom 12 Meter langen Solobus bis zum 18,75 Meter langen Gelenkbus – ist alternativ der Erdgas-Antrieb wählbar. Zur individuellen Anpassung des Kraftstoffvorrats an die erforderlichen Fahrzeugreichweiten steht ein umfangreiches modulares Aufdachspeichersystem zur Auswahl. Auf einem genormten Aluminiumgestell können zwischen sechs und zehn Erdgasflaschen unter der harmonisch gestalteten Dachhaube angeordnet werden. Für die Speicherung des Erdgases stehen verschiedene Speicherflaschen-Typen zur Auswahl, so dass kaum ein Wunsch nach individueller Reichweiten-Auslegung unerfüllt bleibt. Selbstverständlich sind auch die Aufbau-freundlichen Stadtbus-Chassis von MAN mit Erdgas-Antrieb zu haben.

Die tausendfache Erfahrung von MAN mit Erdgasbussen kommt dem Kunden nicht nur bei der Kaufberatung zu Gute, sondern auch bei der Planung und Entwicklung der Kraftstoff- und Service-Infrastruktur. Selbstverständlich ist der MAN Service mit der Wartung und Reparatur der Hochdruck-Gasanlage bestens vertraut, die Ersatzteilversorgung für Erdgasbusse weltweit sichergestellt. Das Know-how von MAN wird in Schulungen und Trainings auf Wunsch kundeneigenen oder externen Servicemannschaften kompetent weitergegeben. Damit ist ein reibungsloser Betrieb der Erdgasfahrzeuge aus dem Hause MAN garantiert.

Darüber hinaus stellt Erdgas für die Verkehrsbetriebe eine wirtschaftliche Alternative dar: In vielen Ländern der Erde liegt der Preis von Erdgas unter dem von Diesel, Betreiber von Erdgasbussen können häufig zudem von staatlichen Incentivierungen profitieren, mit denen Regierungen den Anteil von Erdgas am Kraftstoffmix erhöhen wollen.

Schließlich ist Erdgas ein Wegbereiter zum späteren Übergang in ein Versorgungssystem mit gasförmigen, regenerativ erzeugten Treibstoffen wie zum Beispiel synthetisches Erdgas oder Wasserstoff.