Corporate  |  Truck 

Wettkampf im Race Truck: Fairness und Sicherheit

Sicherheit im Rennsport ist eine Verbindung von Regeln, Technik und Kopfsache.

Truck Racing gehört prinzipiell zu den „kontaktlosen“ Sportarten. Im praktischen Renngeschehen faszinieren aber Duelle Blech an Blech. Besonders spannend ist dabei die schiere Masse, die sich hier im Renntempo bewegt: mindestens 5.500 Kilogramm bringt ein moderner Renntruck auf die Waage. Und die im Vergleich zu anderen Rennfahrzeugen hohe Bauart bringt einen für Rennfahrer ungewohnten Schwerpunkt sowie Nick- und Rollbewegungen mit sich. Hinzu kommt die in weiten Teilen vorgeschriebene Verwendung von Serienteilen, die zum Beispiel ein traktionsverstärkendes „Kleben“ der Fahrzeuge auf der Piste mittels Spezial-Reifenmischungen nicht erlaubt. Auch aerodynamische Hilfsmittel sind weitgehend ausgeschlossen. So entsteht eine spannende Mischung, die von Technikern und Fahrern beherrscht werden muss.

Der Schlüssel sind erhöhte Sicherheitsanforderungen. Hier kommt wieder die Gesamtmasse ins Spiel - in Verbindung mit der Risikoabwägung. Denn im Falle eines Aufpralls auf ein Hindernis, setzen 5,5 Tonnen eine große Energie frei. Eine der wichtigsten Regeln zur allgemeinen Sicherheit ist deshalb die - sonst eher rennuntypische - Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 160 Stundenkilometer.

Die technischen Regeln der obersten Motorsport-Instanz FIA (Federation Internationale de l'Automobile) schreiben außerdem die sicherheitstechnische Ausstattung der Fahrerkabine vor. Diese Regeln reichen vom Einbau eines genau vorgegebenen Schutzkäfigs über die Auswahl von Sitz und Gurten oder des Verbots zum Verbau Treibstoff führender Leitungen innerhalb der Kabine bis zur Not-Aus-Schaltung für Elektrik und Motor oder der Beschaffenheit der Scheiben.

Zu den konstruktiven Maßnahmen kommt die vorgeschriebene persönliche Fahrer-Ausrüstung. Sie sieht flammhemmende Schutzkleidung (Unterwäsche, Overall, Haube, Handschuhe) ebenso vor wie Helm und Fahrerschuhe. Besonders wichtig ist dabei das Head and Neck Support System (HANS), das den Kopf des Fahrers bei den auftretenden Kräften – nicht nur im Falle eines Aufpralls – schützt. HANS wurde 2008 auch im Truck Racing eingeführt und ist quasi eine auf dem Rumpf abgestützte und auf den Helm abgestimmte Halskrause.

Die Einhaltung der technischen Regeln und der „Kleiderordnung“ wird vor jedem Rennwochenende durch die Rennstewards geprüft. Das gilt auch für die Verhaltensregeln während Training und Rennen. Um Startunfälle zu verhindern erfolgt beim Truck Racing der Start grundsätzlich „fliegend“. Die Trucks fahren in Formation die Einführungsrunde und achten dann auf der Start-Zielgeraden auf die Ampel. Erst wenn diese auf grün schaltet ist das Rennen gestartet. Ab hier darf dann voll beschleunigt und überholt werden. Die Beachtung der Flaggen- und Lichtsignale durch Streckenposten und Rennleitung ist obligatorisch und entspricht den internationalen Rennvorschriften. Die Einhaltung des Speed-Limits wird technisch überwacht. Die Bewertung von Rennsituationen obliegt den Stewards. Diese können auch Sanktionen verhängen und haben dazu einen ganzen Katalog von Maßnahmen, von der Durchfahrt durch die Boxengasse bis zum Rennausschluss, verfügbar.

All diese Regeln entfalten aber erst ihren vollen Nutzen, wenn sie im Bewusstsein der Akteure verankert sind. Spannende Positionskämpfe schließen respektvollen, fairen Umgang miteinander nicht aus sondern machen im Gegenteil aus Kampf echten Sport. Das gilt besonders mit Blick auf die außergewöhnlichen Dimensionen des Sportgeräts, bei dem eine Tourenwagen-erprobte Kurve schnell zum schier unüberwindlichen Nadelöhr wird: Norbert Kiss, in der Truck Race Saison 2011 erstmals in den XXL-Rennwagen unterwegs, hat Respekt vor den besonderen Dimensionen: „Mit drei oder vier Race Trucks wird es schon richtig eng vor einer Kurve, und die Masse eines Trucks dann noch in die letzte freie Lücke zu dirigieren, erfordert wirklich Umsicht und fahrerisches Können“. Carbon-Splitter eines Frontspoilers gibt es da schon mal - macht ein Fahrer jedoch aus dem ursprünglich als kontaktlos definierten Truck Race eine Voll-Kontakt-Sportart, weisen die FIA-Stewards den Piloten in seine Schranken. Denn Sportlichkeit und Fairness im Wettkampf sind die wichtigsten Voraussetzungen, die Sicherheitsreserven nicht bis an ihre Grenzen auszutesten.

FIA Sicherheitsvorschriften (Auszug):

  • Die Geschwindigkeit ist auf 160 km/h begrenzt.
  • Im Lkw zeichnet ein kalibriertes Messgerät die Geschwindigkeit auf.
  • Innerhalb der Kabine dürfen keine Treibstoff, Öl oder Kühlmittel führenden Leitungen verlegt sein (ausgenommen Kupplung und Schaltung).
  • Zweikreis-Bremssystem mit einem auf alle Räder wirkenden Pedal. Vierkreis-Schutzventil zur Trennung beider Bremskreise und Trennung von allen anderen pneumatischen Schaltungen.
  • Sicherheitsgurte mit besonderen Anforderungen an Material und Befestigung.
  • Feuerlöscher (detailliert beschrieben); alternativ automatisches Feuerlöschsystem.
  • Feuerhemmendes Material zwischen Motor-/Getriebe und Fahrerkabine.
  • Stromkreis-Unterbrecher und Motor-Aus-Schalter innen und außen.
  • Sicherheitskäfig, ergänzt um Verstärkungen vorne, hinten und seitlich.
  • Frontscheibe aus Laminat.
  • Seitenscheiben mit Sicherheitsnetz.
  • Es dürfen keine geteilten Felgen gefahren werden.
  • Die Frontscheinwerfer müssen gegen Glasbruch gesichert werden.