MAN Truck & Bus

Lkw fährt durch eine Baugrube

Der neue D15-Motor im Test

Lesedauer [5 Min]

Von der Theorie zur Praxis: Wie schlägt sich der D15 im täglichen Einsatz? MAN wollte es genau wissen und schickte zwei Fahrzeuge mit dem neuen Motor in den Verteiler- und Baustellenverkehr.

Frau schaut aus der Fahrerkabine eines Lkws

Verteilerverkehr in München Anne Durante fährt einen MAN TGS 18.330 4x2 BL mit D15-Motor Probe.

Mit rund 25 Jahren Speditionserfahrung im Raum München macht dem Unternehmen Transporte Durante GmbH in Sachen Verteilerverkehr so schnell keiner was vor. Anne Durante, Frau des Inhabers, ist selbst als Fahrerin unterwegs, normalerweise in einem MAN TGL mit D08-Motor und Sechsgangautomatik. Doch jetzt steuert sie einen MAN TGS 18.330 mit dem neuen Dieselmotor D15. Die einwöchige Erprobung eröffnet ganz neue Perspektiven: „Das fühlt sich sehr gut an mit dem D15 und der Zwölfgangautomatik. Der 18-Tonner zieht beim Anfahren einwandfrei los, geschaltet wird angenehm weich. Ob man leer oder beladen fährt, spürt man bei dem starken Motor kaum“, schildert Durante ihren Fahreindruck. „Auch Rangieren lässt es sich feinfühlig, und die Geräuschkulisse ist genau richtig – gerade so, dass man den Motor noch hört.“

Aus wirtschaftlicher Sicht erkennt Durante beim MAN D15 Potenzial zur Einsparung von Kraftstoff – etwa wegen der SCR-Technik bei der Abgasreinigung. Zugleich erfüllt das SCR-System ein weiteres wichtiges Kriterium für Durante: „Der Motor erfüllt die neusten Umweltstandards. Wenn wir so einen Beitrag zur Senkung der Umweltbelastung leisten können, finde ich das ausgesprochen positiv. Und unsere Kunden sicherlich auch.“ Dass mit dem Verzicht auf die AGR-Einheit der Motor sehr leicht, kompakt und wartungsfreundlich ausfällt, kommt ihr ebenfalls entgegen. „Kleinere Wartungsarbeiten, wie den Öl- oder Kraftstofffilter wechseln, machen wir in der eigenen Werkstatt selbst. Da ist es uns schon wichtig, dass man überall gut drankommt.“ Auch die werkseitige Vorbereitung des Sechszylinders für den Riemenantrieb eines Frigoblock-Generators passt in das Konzept: „Das wäre für uns ebenfalls interessant, wir haben ja auch rund 15 Kühlverteiler-Lkw im Fuhrpark.“

 

Positiver Eindruck

Auch über den Motor hinaus kann sich Durante für den getesteten MAN TGS 18.330 begeistern. Zu ihren Lieblingsfeatures zählen die elektronische Lenkung mit aktiver Spurrückführung und der kamerabasierte Abbiegeassistent: „Eine sehr gute Sache, gerade wenn man an die ganzen Radfahrerunfälle denkt.“ Das Fazit der Transportunternehmerin zum Probeeinsatz fällt letztlich rundum positiv aus: „Ein wirklich gutes Auto: Wendig, komfortabel und mit starkem Motor.“

Einige Kilometer weiter, im Kieswerk Glück in Gräfelfing, geht die Meinung von Lkw-Fahrer Andy Großmann in eine ähnliche Richtung. Der 56-Jährige war eine Woche mit einem TGS 18.400 als Kippsattelzug auf der Straße und Baustelle unterwegs. „Allein von den schnellen, weichen Schaltungen her ist das absolut ein Fahrzeug, mit dem man arbeiten kann. Die TipMatic OFFROAD ist super, der neue D15 und das Getriebe passen sehr gut zusammen“, berichtet er. Im Detail lobt der Fahrer das geschmeidige Anfahren: „Das geht ganz leicht und flüssig los, beladen im dritten Gang und leer im vierten.“ Auch die sparsame EfficientRoll-Funktion auf der Straße und daskomfortable Rangieren auf der Baustelle haben es Großmann angetan: „Man kann noch im Rollen den Vorwärts- beziehungsweise Rückwärtsgang einlegen, und wenn man stoppt, ist der dann sofort da. Bei meiner herkömmlichen TipMatic-Version geht das noch nicht.“ 

Großmann fährt seit fast 30 Jahren MAN, durchweg mit mehr Hubraum als beim Test-Lkw, und zwar mit 12- bis 13-Liter-Motor. Zurzeit nutzt er einen MAN TGS 26.440 mit D26-Motor. Doch aus Sicht des Kenners gibt auch der 9-Liter-Motor D15 bei Leistung und Dynamik ein überzeugendes Bild ab: „Bemerkenswert finde ich, dass man mit dem kleinen 400-PS-Motor selbst mit vollen 40 Tonnen gut im Verkehr mitschwimmen kann. Außerdem hat man ja zusätzlich den Performance-Modus, da geht der Motor noch mal deutlich besser.“

Einen erheblichen Vorteil sieht Großmann darin, dass beim D15 – unter anderem durch neue Fertigungsverfahren und Materialien – viel Gewicht eingespart wurde: 230 Kilogramm im Vergleich zum Vorgängermodell D20. Sie kommen der Nutzlast zugute und zahlen sich bei Transporten aus, bei denen nach Liefermenge abgerechnet wird. Das bringt den Süddeutschen gleich auf eine gute Idee. „Unter anderem bin ich über 20 Jahre Getränke gefahren. Das könnte ich mir auch gut als Einsatz für den leichten D15 vorstellen: Voll los, leer zurück“, schlägt er vor. Doch ob nun im Getränke- oder im Kipperzug: Vorbehalte hätte er gegen den kleinen Hubraum nicht. Abschließend kommt Großmann noch auf ein echtes Aha-Erlebnis als Fahrer zu sprechen: „Von der Bremswirkung her hätte ich anfangs eher vermutet, dass da ein Retarder drin ist. Die dreistufige Motorbremse allein ist schon ziemlich beeindruckend.“

Ein wirklich gutes Auto: Wendig, komfortabel und mit starkem Motor.

Andy Großmann
Lkw-Fahrer

Nahaufnahme eines Lkws von vorne

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Pferdestärken

Der 9-Liter-Motor mit 330 bis 400 PS zeichnet sich durch einen verbesserten Motorwirkungsgrad aus. 


 

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Kilogramm

ist der D15 leichter als der D20. Die Gewichtseinsparung ermöglicht eine entsprechend höhere Nutzlast.


 

Neue Benchmark

An dieser Stelle schaltet sich MAN-Motorenentwickler Moritz Späth ein. Er erläutert, welche Aspekte seiner Fachabteilung bei der Konfiguration des D15 neben der Leichtigkeit besonders am Herzen lagen: „Die Turbo-EVBec dürfte mit bis zu 350 Kilowatt Bremsleistung aus neun Litern Hubraum momentan tatsächlich Benchmark sein. Mit bis zu 1.800 Newtonmeter in einem breiten Drehzahlband haben wir mit dem D15 zudem eine Fahrbarkeit erreicht, die auf Augenhöhe mit dem Vorgänger D20 liegt.“

Die Erfüllung der Abgasnorm Euro 6d war ein weiteres Entwicklungsziel. „Wir haben uns für eine kompakte, robuste Bauweise ohne Abgasrückführung entschieden. In der SCR-Anlage lassen sich höhere Stickstoffoxidwerte umsetzen als beim D20“, erklärt Späth. Als weitere Merkmale hebt er den einstufigen Turbolader und das neue Common-Rail-System mit bis zu 2.500 Bar hervor. Zudem zeichnen sich die Nebenaggregate des D15 durch ihre geringe Leistungsaufnahme aus; das gilt etwa für den geregelten Lüfter, die geregelte Wasserpumpe, den optimierten Ölkühler mit Thermostat oder die drei wählbaren Luftpresser: in Ein- oder Zweizylinderausführung mit Sparsystem oder in abschaltbarer Einzylinderversion.

Alois Gamsreiter, beim Kieswerk Glück Fuhrpark- und Werkstattleiter, achtet bei der Anschaffung von Fahrzeugen auf genau solche Details. „Die diversen geregelten Nebenaggregate wie jetzt beim D15 bringen beim Verbrauch schon etwas. Wobei immer alles zum Einsatz passen muss. Mit den vielen Rangiertätigkeiten im Kieswerk und beim Kunden würden wir uns zum Beispiel eher für den Zweizylinderluftpresser entscheiden.“

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Auch der viel gelobten Wartungsfreundlichkeit des D15 ist Gamsreiter persönlich auf den Grund gegangen: „Ich habe mir den Lkw genau angeschaut und direkt auch die Kabine gekippt. Und es stimmt schon: Man kommt bei dem neuen Motor überall sehr gut dran.“

Infografik

Kraftpaket im Lkw Die Vorzüge des neuen MAN D15-Motors lassen sich im Schaubild per Mausklick erkunden. Er punktet insbesondere mit Leichtigkeit, Effizienz, Sauberkeit und Wartungsfreundlichkeit. 

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Mehr Nutzlast

Einzelne Bauteile wie die Zylinderkopfhaube, Zylinderkopf, Nockenwelle, Ölwanne, Ölkühler und Motorfüße wurden durch neue Fertigungsverfahren und neue Materialien konsequent gewichtsoptimiert. Der D15 bringt insgesamt 230 Kilogramm weniger auf die Waage als sein Vorgänger D20. Die Gewichtsersparnis kommt der Nutzlast zugute.  

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Weniger Verbrauch

Die elektronisch geregelte Wasserpumpe trägt wie zum Beispiel auch das neue Common-Rail-Einspritzsystem und der Luftpresser mit ein oder zwei Zylindern zur verbesserten Kraftstoffeffizienz des neun Liter großen Sechszylinders bei. Im Vergleich zum D20 verbraucht der D15 merklich weniger Kraftstoff. 

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Starke Leistung

Dank der wirkungsgradoptimierten Turbolader, einstufig mit Wastegate (330 und 360 PS) oder mit variabler Geometrie (400 PS), zeigt der D15-Motor eine hervorragende Leistungsentfaltung. Seine Fahrdynamik liegt gleichauf mit dem 10,5-Liter- Motor D20. 

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Starke Leistung

Optional ist er mit Turbo EVBec Bremssystem mit 350 KW Bremsleistung ausgestattet. 

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Einfache Wartung

Der neue Dieselmotor ist besonders wartungsfreundlich, weil die relevanten Bauteile – etwa der Kraftstofffilter – leicht zugänglich sind.

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Einfache Wartung

Auch der Ölfilter ist wartungsfreundlich positioniert.

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Einfache Wartung

Ein weiterer Vorteil ist die optionale Anbaumöglichkeit für den Frigoblock-Generator. Der D15 ist für die Baureihen TGX und TGS in den mittleren Leistungsstufen zwischen 330 und 400 PS erhältlich. 

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Geringe Emissionen

Der D15 entspricht der neuesten Abgasnorm Euro 6d. Zur Abgasnachbehandlung wird ein 8 SCR-System ohne gesonderte Abgasrückführung eingesetzt, was Platz spart und die Komplexität des Systems reduziert. Der Abgasschalldämpfer mit luftloser AdBlue-Eindüsung hat prinzipiell denselben Aufbau wie bei den Motoren D26 und D38. 

Fotos Èriver Hijano

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