MAN Truck & Bus

Der neue E-Bus im großen Test

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In Bonn konnten Experten erstmals den MAN Lion’s City 12E ausführlich begutachten. Ihr Urteil: die Performance überzeugt auf ganzer Linie. Eine Reportage vom europaweit einzigartigen E-Bus-Test.

Starkes Feld Außer dem Lion’s City 12E gingen noch sechs weitere E-Busse und zwei Erprobungsträger mit ins Rennen. 

Neben dem flachen Werkstattbau in der Mitte des Busbetriebshofs der Stadtwerke Bonn parkt an diesem Donnerstagmorgen Ende November eine lange Reihe von Bussen. Kein ungewöhnliches Ereignis für einen Busbetriebshof. Doch diese Busse sind etwas Besonderes. Denn bei den neun Fahrzeugen handelt es sich um Elektro-Busse der neuesten Generation aus den Produktreihen der wichtigsten Hersteller. Der Grund für diese spezielle Parade: Das Fachmagazin „Omnibusspiegel“ richtet in Bonn zum dritten Mal seinen europaweit einzigartigen E-Bus-Test aus. Fünf Tage lang prüfen dabei Profifahrer und Fachjournalisten aus fünf Ländern die aktuellen Modelle auf Herz und Nieren. Zu den getesteten Modellen gehört auch der MAN Lion’s City 12E.

„Auf den sind wir hier alle besonders gespannt“, sagt Kirsten Krämer, Redakteurin des „Omnibusspiegel“ und eine der Organisatorinnen des Events. Schließlich ist MAN mit seinem Bus zum ersten Mal bei einem Pressetest vertreten. „Unsere Veranstaltung ist für die Fachwelt darum die erste Möglichkeit, ihn wirklich ausführlich zu begutachten“, so Krämer. Sie steht zwischen den E-Bussen auf dem Parkplatz, ein Klemmbrett mit Fahrtlisten in der Hand, und lotst die Testfahrer zu ihren Bussen. Es ist kalt, nur knapp über 0 Grad. Trotzdem freut sich Krämer über das Wetter: „Da können wir auch prüfen, ob die Batterien genug Leistung für die Heizung bringen und wie sich das auf den Verbrauch auswirkt.“

Wenn alle Kollegen verteilt sind, setzt sich die Busexpertin Krämer auch selber wieder hinter das Steuer. Den MAN Lion’s City hat sie schon getestet, als Fahrerin und Passagierin. Ihr Urteil: „Der Bus macht insgesamt einen sehr guten Eindruck, die Fahrperformance stimmt. Was mir besonders gefällt: Die Batterien sitzen auf dem Dach, der Motorturm ist weggefallen. Das schafft mehr Platz und Komfort und zeigt auch, dass das Konzept konsequent gedacht ist – und nicht einfach ein Diesel zum E-Mobil gemacht wurde, indem man den Motor gegen Batterien austauscht.“

Klappe auf Hier wäre eigentlich ein Motor! Beim E-Bus gibt es dafür mehr Platz. Die Batterien sitzen nämlich auf dem Dach.

Eine Beurteilung, die Isabel Jeschek freut – auch, weil es keine Einzelmeinung ist. „Wir haben bisher von fast allen Testfahrern positives Feedback bekommen“, sagt Jeschek, die als Launch Managerin für den MAN Lion’s City 12E zuständig ist. Sie sitzt im Passagierraum des Elektro-Löwen und fährt zum x-ten Mal den anspruchsvollen Parcours mit. Rund 19 Kilometer lang ist die Strecke, die durch dichten Stadtverkehr und enge Vorstadtstraßen, über Landstraßen- und Autobahnabschnitte führt. Damit die Tester Verbrauch und Fahrverhalten im Linienverkehr realistisch einschätzen können, gehören auch Stopps an Haltestellen zum Programm. Manchmal wollen dann Fahrgäste einsteigen. Jeschek weist sie freundlich auf die Testreihen außerhalb des regulären ÖPNV hin. Währenddessen schaut Maximilian Huber, Entwicklungsingenieur bei MAN, den Testfahrern über die Schulter und notiert penibel jede Anmerkung. „Dieses Feedback ist wertvoll für uns“, sagt Huber. „Einiges werden wir sicher noch in die weitere Entwicklung einfließen lassen, bevor der E-Bus in Serie geht.“ Die besten Anregungen, erklärt Huber, kämen von Profi-Busfahrern.

Einer von ihnen ist Franz Kleinmeyer, der bei den Stadtwerken Bonn beschäftigt ist. Als Tester achtet er besonders darauf, ob das Fahrverhalten eines Busses alltagstauglich ist. „Manche Hersteller werben ja damit, dass ihr E-Bus flotter anfährt als ein Porsche. Aber was nützt das, wenn dann alle Fahrgäste an der Heckscheibe kleben?“, fragt Kleinmeyer, während er routiniert durch den morgendlichen Stop-and-Go-Verkehr auf einer der Hauptverkehrsadern Bonns manövriert. „Entscheidend ist für mich, dass die Abstimmung gut ist, beim Anfahren und Bremsen nichts ruckt und ruckelt. Die Passagiere sollen sich sicher fühlen.“

Für Fachjournalisten wie Thorsten Wagner sind weitere Aspekte wichtig. In den vergangenen Tagen hat Wagner fast alle Testmodelle gefahren und ist von der Testveranstaltung immer noch begeistert. „Neun brandneue E-Busse in fünf Tagen fahren und direkt vergleichen, das kann man sonst nirgends“ sagt er. Am Ende jeder Tour notiert Wagner – wie alle Testfahrer und -passagiere – seine Einschätzungen auf einem umfangreichen Bewertungsbogen. Aus diesen Bögen wird das finale Testergebnis ermittelt; insgesamt fließen rund 60 Kriterien in die Bewertung ein. 

Einfach Strom tanken Ein genauer Plan regelt während der Testtage, wann welcher Bus an die Steckdose darf. 

Unter der Lupe Der Lion’s City 12E beim Servicecheck.

Die Performance auf der Straße ist dabei nur ein Teil des Tests. In der Werkstatt der Stadtwerke Bonn (SWB) werden die Busse auch einer statischen Begutachtung und einem ausführlichen Grubencheck unterzogen. Werner Fischer, Fachbereichsleiter bei den SWB, ist gerade aus der Grube geklettert und prüft bei einem Kaffee seine Notizen. Für die Testwoche ist ein Teil der Werkstatt zum Seminar- und Pausenraum mutiert: Vor der Wand mit den Ersatzteilen wurde ein kleines Buffet aufgebaut, in der Ecke eine Leinwand, davor ein Beamer und ein paar Stuhlreihen. „Wir achten natürlich sehr auf die Batterien und die Verkabelung“, schildert Fischer. „Alles muss absolut sicher verarbeitet sein, da darf nichts scheuern oder schleifen.“ Beim Lion’s City 12E gebe es in dieser Hinsicht nichts zu beanstanden. „MAN ist mit seinem E-Bus zwar spät dran, wird aber gleich ein sehr gutes Produkt auf den Markt bringen“, sagt Fischer.

Trotzdem gibt es natürlich noch einige offene Fragen. Viele davon kann Tim Honschopp beantworten. Er ist Experte für Netzwerkanalyse bei MAN Transport Solutions und in Bonn Teil des MAN-Testteams. Bei den Journalisten vor Ort ist er als Gesprächspartner begehrt, obwohl sein Fachgebiet gar nicht Teil des eigentlichen Tests ist. „Wir von Transport Solutions beraten Kunden, die auf E-Mobilität umstellen wollen“, skizziert Honschopp. Für ihn sind die Tage in Bonn ein wichtiger Testlauf für den ersten Feldversuch mit zwei Lion’s City E in Hamburg, für den MAN die beiden Fahrzeuge Mitte Dezember an die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein und die Hamburger Hochbahn AG übergeben hat. Eine Herausforderung, aber „wir gehen da selbstbewusst rein“, sagt Honschopp.

Zu Recht, findet Dieter Hanke, Chefredakteur des „Omnibusspiegel“ und der Kopf hinter dem E-Bus-Test. „Wie andere führende Bushersteller ist MAN kein Treiber, sondern eher ein Follower im Bereich E-Mobilität“, sagt er. „Das hat aber den Vorteil, dass das Konzept des Lion’s City E sehr ausgereift ist und die neue Stadtbusgeneration von MAN sinnvoll ergänzt.“ Nun begibt sich Hanke selbst ins Testgeschehen. Neben High-Tech-Details interessiert ihn zudem, ob die Innenraumgestaltung fahrgastfreundlich und barrierefrei ist – auch, weil er selbst eine Sehbehinderung hat. „In dieser Hinsicht überzeugt der Lion’s City insgesamt“, meint Hanke. Ein weiterer großer Pluspunkt sei das upgrade-fähige Batteriekonzept. Nur wie das Fahrzeug insgesamt abschneidet, das will Hanke noch nicht verraten. „Denn das“, betont er, „kann man dann in den Januar- und Februarausgaben des ‚Omnibusspiegel’ nachlesen.“

Text Dagmar Puh
Fotos Manuel Nagel

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